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Fazit | Beitrag vom 17.06.2019

Gedenkstätte Berlin-HohenschönhausenModernere Darstellung des DDR-Unrechts

Ilko-Sascha Kowalczuk im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Das Schild mit der Aufschrift "Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen" hängt in Berlin am Haupttor der Stasiopfer-Gedenkstätte in Hohenschönhausen. Dort waren zu DDR-Zeiten Untersuchungshäftlinge untergebracht. Vor 20 Jahren, am 1. Juni 1994, begann hier mit den original erhaltenen Zellen und Verhörräumen die Arbeit der Gedenkstätte. (dpa/Paul Zinken)
Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen (dpa/Paul Zinken)

Der Historiker Helge Heidemeyer wird neuer Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte. Eine gute Wahl, findet Ilko-Sascha Kowalczuk. Zugleich hofft der Historiker, dass die Bildungsarbeit der Gedenkstätte jetzt zeitgemäßer wird.

Die zentrale Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin bekommt einen neuen Direktor. Der Historiker und Politikwissenschaftler Helge Heidemeyer übernimmt im Herbst den Posten des im Vorjahr abberufenen Hubertus Knabe.

Dem langjährigen Leiter Knabe war vorgeworfen worden, nicht konsequent genug gegen sexuelle Belästigungen von Frauen in der Gedenkstätte vorgegangen zu sein. Außerdem wurde seine einseitige und polarisierende Darstellung der DDR-Geschichte moniert.

Der 1963 geborene Heidemeyer arbeitet seit 2008 in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen und leitet dort die Abteilung "Bildung und Forschung".

"Eine sehr gute Wahl"

Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt im Deutschlandfunk Kultur, die Kommission habe mit Helge Heidemeyer eine sehr gute Wahl getroffen. Mit Heidemeyer habe man einen sehr profilierten Wissenschaftler mit Gedenkstättenerfahrung gewinnen können, der zudem ein gutes Händchen dafür habe, diverse Gruppen zusammenzuhalten.

Mit ihm werde "diese wichtigste Gedenkstätte für die kommunistischen Verbrechen in Deutschland" wieder in ruhiges Fahrwasser kommen, ist sich Kowalczuk sicher.

Bildung für den mündigen Bürger

Mit dem Wechsel an der Spitze sei nun auch die Hoffnung auf einen neuen Führungsstil und eine angemessenere, bildungspädagogisch modernere Darstellung des DDR-Unrechts verbunden. Die Vermittlung der DDR-Geschichte sei unter Knabe einseitig und altmodisch gewesen, erklärt Kowalczuk.

Heute gehe man in der politischen Bildung und der Gedenkstättenpädagogik eher von mündigen Bürgern aus, die sich auf Grundlage von Fakten und Zeitzeugenberichten ihre eigene Meinung bilden können.

"Es geht darum, die Authentizität des Ortes auf der einen Seite durch die Zeitzeugen, auf der anderen Seite durch wissenschaftliche Erkenntnisse abzusichern. Ein solcher Haftort ist schon ein starkes Dokument, was für sich alleine spricht, und das muss man dann einordnen in den historischen Kontext, einordnen in die Landschaft, einordnen in das System, in dem diese Haftanstalt, in dem Fall die SED-Diktatur, stand."

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