Freundschaft und Verrat in der NS-Zeit

Der verzweifelte Versuch einer Wiedergutmachung

33:03 Minuten
Marianne bei einer Hochzeit einer Freundin, links im Bild ihr Bruder Eike, Berlin 1938.
Marianne bei der Hochzeit einer Freundin, links im Bild ihr Bruder Eike, Berlin 1938. © Marianne Burkenroad
Von Maleen Harten · 21.05.2021
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Marianne und Melita sind zwischen 1933 und 1936 beste Freundinnen. Marianne, die einen jüdischen Vater hat und Melita, die zur überzeugten Nationalsozialistin wird. Plus eins erzählt die Geschichte der beiden. Eine Geschichte über Verrat, Abschied und Vergebung.
Marianne Burkenroad und Melita Maschmann lernen sich 1933 in Berlin kennen. Es entsteht eine Freundschaft, so eng, wie Freundschaften in Jugendjahren werden können. Die beiden verbringen jede freie Minute miteinander, teilen ihre Leidenschaft für Kunst und Kultur, fahren gemeinsam in den Urlaub und schreiben sich Briefe, wenn sie sich nicht sehen.
Melita fühlt sich nicht nur zu Marianne hingezogen, sondern auch zu ihrer Familie, bei der sie ein und ausgeht. Ein künstlerischer, freigeistiger Haushalt, der so ganz anders ist als Melitas eigenes, nationalkonservatives Zuhause.
Melita, 1953 (Dies ist ein Foto, das sie Marianne in einem Brief geschickt hat)
Melita (1953): ein Foto, das sie Marianne in einem Brief geschickt hat.© Marianne Burkenroad
Politik spielt bei der Freundschaft der beiden nie eine Rolle. Doch als sich Melita immer mehr in eine glühende Anhängerin Adolf Hitlers verwandelt und eine steile Karriere im BDM macht, wird die Verbindung der beiden zunehmend auf die Probe gestellt. Auf einmal wird es zum Problem, dass Mariannes Vater jüdisch ist - obwohl das vorher nie ein Thema war.
Die Rückseite des Fotos mit den Worten "Bin ich's noch?"
Die Rückseite des Fotos: „Bin ich's noch?“© Marianne Burkenroad
Als Melita 1936 auf einmal aus Mariannes Leben verschwindet, hätte dies einfach das Ende ihrer Freundschaft sein können. Aber es kommt noch schlimmer.