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Buchkritik | Beitrag vom 28.10.2020

Frauke Fischer / Hilke Oberhansberg: "Was hat die Mücke je für uns getan?"Jedes Lebewesen zählt!

Von Michael Lange

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Buchcover "Was hat die Mücke je für uns getan?" von Frauke Fischer und Hilke Oberhansberg, daneben orange Farbflächen. (oekom Verlag / Deutschlandradio)
Mit ihrem Buch liefern Frauke Fischer und Hilke Oberhansberg einen einfachen Einstieg ins ökologische Denken. (oekom Verlag / Deutschlandradio)

Egal wie klein, egal wie lästig: Zur biologischen Vielfalt gehört jedes Lebewesen dazu. Erst wenn der Mensch das begreift, hört er auf, die Kreisläufe des Lebens zu zerstören - ein Buch wie ein Weckruf!

Anschaulich und leicht verständlich beschreiben die beiden Autorinnen das biologische Netzwerk der Natur, das wir Menschen für unser Überleben auf der Erde brauchen. Sie liefern eine Einführung in die Ökologie, mit Begeisterung und vielen Beispielen aus der Natur.  

Acht Millionen Arten dienen dem Menschen

Die Biologin Frauke Fischer und die Wirtschaftswissenschaftlerin Hilke Oberhansberg führen vor Augen, wozu unser Planet die riesige Vielfalt von schätzungsweise acht Millionen Arten braucht. Statt nur über die Vielfalt der Natur zu staunen oder den weltweiten Artenschwund zu beklagen, richten sie ihren Fokus auf die Leistungen der verschiedenen Ökosysteme für den Menschen.

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So entsteht fruchtbarer Boden für die Landwirtschaft nur durch das Zusammenwirken vieler Mikroorganismen und Kleinstlebewesen. Ohne Mangrovenwälder oder Korallen würde vielen Küsten ein wichtiger Schutz vor Sturmfluten fehlen.

Die Mücke trainiert unser Immunsystem

Auch wenn nicht jede einzelne Art unbedingt notwendig ist, damit das Netzwerk des Lebens erhalten bleibt, so spielt doch jede ihre Rolle im Wechselspiel der Natur. Das gilt auch für die im Buchtitel erwähnten Mücken.

Sie dienen als Hauptnahrung für Vögel, Amphibien oder Fledermäuse, und einige von ihnen sind als Bestäuber für kleine Pflanzenblüten unverzichtbar. Ohne die Bartmücken als Bestäuber gäbe es keinen Kakao.

Andere Arten bereichern unser Leben, indem sie Nahrungsmittel liefern, vielerlei Wirkstoffe produzieren, unser Immunsystem trainieren oder unser Lebensumfeld bereichern.

Kann man Ökosytemleistungen berechnen?

Ein zentraler Begriff des Buches sind Ökosystemleistungen. Sie werden von allen Menschen ständig genutzt, ohne dass irgendjemand dafür zahlen muss. Diese Leistungen in Zahlenwerte umzurechnen, kann letztlich jedoch den Wert der Ökosysteme nicht vollständig erfassen. Dessen sind sich auch die Autorinnen – die eine Biologin, die andere Wirtschaftswissenschaftlerin – durchaus bewusst.

Dennoch halten sie eine Bezifferung der Ökosystemleistungen für hilfreich. Sie führen eindrücklich vor Augen, wie Ökosysteme effizienter und preiswerter vor Klimaextremen schützen als Dämme oder sonstige technische Gegenmaßnahmen.

Das Buch liefert einen einfachen Einstieg ins ökologische Denken mit praktischen Beispielen. Wer sich entschieden hat, zum Artenschutz beizutragen, erhält hier dutzendfach gute Argumente und Anregungen.

Frauke Fischer / Hilke Oberhansberg: "Was hat die Mücke je für uns getan?"
Oekom / München 2020
224 Seiten, 20 Euro

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