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Fazit | Beitrag vom 14.06.2019

Filmszene gegen AfD-Kandidaten in GörlitzSorgen um "Görliwood"

Peter Hartwig im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Octavian Ursu (CDU) tritt in einer Stichwahl gegen Sebastian Wippel (AfD) um das Amt des Oberbürgermeisters von Görlitz an (imago / photothek / Ute Grabowsky / Florian Gärtner)
Octavian Ursu (CDU) tritt in einer Stichwahl gegen Sebastian Wippel (AfD) um das Amt des Oberbürgermeisters von Görlitz an (imago / photothek / Ute Grabowsky / Florian Gärtner)

Am 16. Juni könnte Görlitz zur ersten Stadt mit einem AfD-Oberbürgermeister werden. Kulturschaffende haben dazu aufgerufen, den AfD-Kandidaten nicht zu wählen. Der Produzent Peter Hartwig ist einer von ihnen und erklärt seine Motive.

Die Oberbürgermeister-Wahl im sächsischen Görlitz an diesem Sonntag sorgt für Debatten, denn erstmals könnte ein solcher Posten in einer größeren Stadt an einen Politiker der AfD gehen. Der AfD-Kandidat Sebastian Wippel hatte im ersten Wahlgang am 26. Mai mit 36,4 Prozent das beste Resultat erzielt und den CDU-Bewerber Octavian Ursu mit 30,3 Prozent auf Distanz gehalten.

Mehrere Kulturschaffende der Stadt aber haben nun einen Aufruf gestartet, diese Amtsübernahme durch ein Votum in der Stichwahl am Sonntag zu verhindern. Zu den Aktivisten dieses Aufrufs gehört der Filmproduzent Peter Hartwig. Er sagt, dass es ihm nicht leichtgefallen sei, den Offenen Brief an Görlitz zu unterzeichnen: "Man stellt sich ja die Frage, ob man Leuten Ratschläge geben darf, wen sie zu wählen haben. Wir leben schließlich in einer Demokratie. Ich habe mir aber gesagt, dass es erlaubt sein muss, den Leuten mit auf den Weg zu geben darüber nachzudenken, wie sie wählen und zu hoffen, dass sie weise wählen."

Ein mögliches, gefährliches Signal an die Landespolitik

Es bestünde die Gefahr, dass eine Stimmung aufgebaut werde, die von Görlitz ein Signal in die sächsische Landespolitik senden könnte.

Ein Mann mit etwas schütterem Haar und Brille blickt vor einem blauen Hintergrund in die Kamera. (Reiner Zensen / imago-images)Peter Hartwig gehört zu den Unterzeichnern des Aufrufs gegen die Wahl des AfD-Kandidaten bei der Oberbürgermeisterwahl. (Reiner Zensen / imago-images)

"Görlitz liegt mir sehr am Herzen. Ich habe durch meine Arbeit viele Freunde in der Stadt gefunden. Viele Menschen in der Stadt haben sich nach der Wende wunderbare Dinge in Görlitz aufgebaut und ich denke, dass gar nicht so viel Grund zur Klage da ist."

Er befürchte, dass das Klima und das gesellschaftliche Miteinander unter einem AfD-Oberbürgermeister andere werden könnten, so Hartwig.

"Da werden dann bestimmte Dinge benutzt werden, die natürlich auch in Görlitz eine Rolle spielen. Da haben die Parteien letzten Endes ihre Verantwortung gehabt und versagt. Da wurden die Leute nicht ernst genommen. Auch die deutsche Einheit hat ihre Rolle daran gehabt, dass die Lebensleistungen von Ostdeutschen nicht genügend anerkannt wurden." 

Das neue Rathaus von Görlitz. Ein repräsentatives Gebäude im Stil der Neorenaissance auf dem Untermarkt in Görlitz.  (Franz Walter / imago-images)Das Rathaus in Görlitz könnte bald einen AfD-Bürgermeister bekommen. (Franz Walter / imago-images)

Görlitz wurde zur Europäischen Filmlocation der Jahre 2007-2017 gewählt. Teile von Filmen wie "Grand Budapest Hotel" oder "Inglorious Bastards" wurden in der Stadt gedreht. Er könne nicht sagen, ob sich Filmschaffende gegen Görlitz als Drehort entscheiden würden, wenn der AfD-Kandidat die Wahl gewönne, sagt Hartwig.

"Als Filmschaffender sucht man natürlich Umstände, in denen man gerne arbeitet, mit Wohlwollen aufgenommen wird und Weltoffenheit praktiziert wird. Das und die wunderbare Gastfreundschaft der Görlitzer habe ich in den letzten Jahren immer wieder erlebt."

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