Seit 22:03 Uhr Hörspiel

Mittwoch, 18.09.2019
 
Seit 22:03 Uhr Hörspiel

Lesart | Beitrag vom 13.05.2019

Ewald Lienen über sein Leben"Nur Fußball war mir zu wenig"

Moderation: Joachim Scholl

Beitrag hören Podcast abonnieren
Fußball-Trainer Ewald Lienen hat eine Biographie geschrieben. (imago images / Nordphoto)
Der Sport rettete ihn aus schwierigen Verhältnissen: Ewald Lienen, einst Bundesliga-Spieler und später Trainer, hat seine Biographie geschrieben. (imago images / Nordphoto)

Ewald Lienen hat als Spieler und Trainer die Bundesliga geprägt. Dennoch bestand sein Leben nie nur aus Fußball. Schon als Spieler engagierte er sich für soziale Projekte und galt als stramm links. Nun hat er seine Biografie veröffentlicht.

"Lernen, lesen, Fußball spielen", das war das Lebensmotto des jungen Ewald Lienen, der keine leichte Kindheit hatte. Seine Mutter starb, als er 12 Jahre alt war.

"Ich wollte unbedingt zur Schule und alles lernen und begreifen. Und als meine Mutter gestorben war, war das für mich eine Lebensstrategie", erzählt Lienen von seiner Kindheit. Anerkennung aus der Familie, die durch zwei Weltkriege traumatisiert war, bekam er wenig:

"Durch den Fußball und die Schule konnte ich mich da raus retten."

Fußballprofi war nicht das Ziel

Dennoch träumte er damals nicht von einer Karriere als Bundesligaprofi. "Das ist eine ganz andere Zeit gewesen, das hat keine Rolle gespielt", sagt Lienen, "für mich war Fußball mein Verein, mein tägliches Training, das war wie eine Ersatzfamilie."

Er wollte einfach nur mit seinen Kumpels Fußball spielen. Das tat er so gut, dass er es in die Erste Liga als Spieler von Borussia Mönchengladbach schaffte.

Ewald Lienen als Spieler bei Borussia Mönchengladbach 1978. (imago images / WEREK)Ewald Lienen als Spieler bei Borussia Mönchengladbach 1978. (imago images / WEREK)

Ewald Lienen war anders als seine Vereinskollegen. Schnell hatte er den Ruf als der "langhaarige, linke Lienen", der sich für Literatur interessierte und in der Friedensbewegung aktiv war.

"Nur Fußball war mir zu wenig", erzählt Lienen, "also wollte ich neben dem Fußball was machen und hab den Kontakt zu einer sozialen Einrichtung gesucht."

Durch seine Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen bekam er nicht nur den Einblick in eine ganz andere Welt, sondern lernte auch seine Frau kennen, die als Betreuerin der Jugendlichen arbeitete. Lienen wurde klar, dass man "nicht nur das Weltgeschehen beobachten, sondern sich auch engagieren" sollte und dass er Projekten durch seine Prominenz helfen konnte.

Ewald Lienen 1979 mit geistig und körperlich behinderten Kindern vor einem kleinen Bus. (imago images / WEREK)Ewald Lienen fährt 1979 mit geistig und körperlich behinderten Kindern an die Ostsee. (imago images / WEREK)

Nach seiner aktiven Zeit als Fußballspieler wurde Lienen Trainer, seit 2014 ist er beim FC St. Pauli angestellt, zunächst als Cheftrainer und seit Mitte Mai 2017 als Technischer Direktor. Ein Buch zu schreiben, war allerdings schon als junger Spieler sein Traum, nun hat er ihn sich erfüllt:

"Ich habe mit meiner Frau zusammen wirklich monatelang intensiv gearbeitet, so viele Gespräche geführt, diskutiert, ich habe geschrieben, korrigiert und das war eine spannende Reise durch das ganze Leben."

Ewald Lienen: "Ich war schon immer ein Rebell. Mein Leben mit dem Fußball"
Piper Verlag 2019
588 Seiten, 22 Euro

(nho)

Mehr zum Thema

Nach G20-Krawallen - Die "Rote Flora" - Hort linksexremistischer Gewalt?
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 10.07.2017)

Klimaschutz - Grüner Anstrich für den Fußball
(Deutschlandfunk Kultur, Nachspiel, 05.06.2016)

Totentanz auf grünem Grase
(Deutschlandfunk Kultur, Aus den Archiven, 25.08.2013)

Lesart

Shortlist des Deutschen BuchpreisesEin Debütantenball
Die sechs Bücher der Shortlist für den Buchpreis 2019 stehen aufgereiht nebeneinander auf einem Bücherstapel. (Picture Alliance / dpa / Jens Büttner)

Die Shortlist der Jury des Deutschen Buchpreises ist eine faustdicke Überraschung: Gleich drei Autoren schaffen es mit ihrem ersten Buch in die Auswahl. Die Juroren sprechen offensiv von einem Generationenwechsel: Es könnte auch an den Themen liegen.Mehr

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur