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Vollbild | Beitrag vom 20.02.2016

Europäischer Filmmarkt auf der BerlinaleGroße Deals für großes Geld

Von Verena Kemna

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Blick auf das Geschehen des "European Film Market" (EFM) im Berliner Martin-Gropius-Bau (Deutschlandradio / Stefan Ruwoldt)
Blick auf das Geschehen des "European Film Market" (EFM) im Berliner Martin-Gropius-Bau (Deutschlandradio / Stefan Ruwoldt)

Auf der Berlinale können beim "European Film Market" Produzenten, Einkäufer und Filmagenten die neuesten Filme sehen. In diesem Jahr waren erstmals Start-ups aus ganz Europa und Berlin eingeladen.

Im repräsentativen Berliner Martin-Gropius Bau hängen Filmplakate von der Brüstung. Während der "heißen Phase" sind die wenigen Stühle an den fast 500 Ständen immer besetzt. In der Eingangshalle drängen sich Produzenten, Ein- und Verkäufer, Vertreter der internationalen Filmindustrie. Filmagenten können die neuesten Filme sehen. Dabei teilen sie sich das Kino auch mit ganz normalen Berlinale-Besuchern und erleben so eine prompte erste Reaktion. Das ist weltweit einzigartig, erklärt EFM-Direktor Knol:

"Das ist ein großer Vorteil von uns und wir entwickeln den Markt auch als Plattform, wo die Filmindustrie sich mit anderen Branchen vernetzen kann. Sich nicht nur auf sich selbst fokussiert und sich in Ständen oder Screenings über eigene Produkte unterhält, wir wollen den Markt in Berlin richtig mit anderen Branchen vernetzen."

In diesem Jahr sind erstmals Start-ups aus Europa und Berlin eingeladen. Da gibt es Apps, die das Drehbuchschreiben vereinfachen. Hinter dem Berliner Start-up "Just Watch" steckt ein Team von Wirtschaftswissenschaftlern und Informatikern, die mit anonymen Kaufdaten arbeiten. Ziel ist es, möglichst reale Profile von Kinobesuchern zu erstellen. Die Filmindustrie kann so neue Filme zielgenau bewerben, erklärt Gründer Michael Wilken:

"Wir haben im letzten Jahr schon 30 Kampagnen gemacht. Sowohl für kleinere Independent-Studios als auch für die ganz Großen in Hollywood."

"Viel lässiger als in Cannes"

Von den Präsentationen der Start-ups hat die Belgierin Katrien Maes nichts mitbekommen. Sie arbeitet für "Flanders Film House". In diesem Jahr ist die belgische Filmindustrie erstmals mit eigenem Stand vertreten. An der Stellwand hängt das Kinoplakat "A quiet passion". Die britisch-belgische Koproduktion über das Leben der Dichterin Emily Dickinson wurde erstmals auf der Berlinale gezeigt. Eine gute Werbung für unsere Förderinstrumente, erklärt Katrien Maes. Fast der ganze Film wurde in Belgien gedreht, das meiste Geld stammt aus belgischen Fördertöpfen:

"Na, alle sind hier. Produzenten wollen ihre Filme international verkaufen und sie suchen Finanzierungen für neue Projekte. Es ist ein tolles Festival. Neben Cannes, eines der wichtigsten in Europa. Wir treffen hier viele Produzenten. Es ist für uns sehr wichtig, dass wir hier sind. Nächstes Jahr kommen wir wieder mit einem eigenen Stand, es lohnt sich!"

Nur wenige Stände weiter unterhält sich Chayan Sarkar mit einer Filmagentin. Er wirbt für seinen australischen Film "The sleeping warrior". Es geht um die Landrechte von Aboriginees und um indische Spiritualität.  Ein Thema, das dem Inder aus Brisbane, Australien, sehr am Herzen liegt. Auch für ihn ist der Filmmarkt der Berlinale ein festes Datum im Jahreskalender.

"Morgens schlendert man zum Martin-Gropius Bau und sieht all diese Gebäude, das ist wie im Film. Ich finde es toll hier, viel lässiger als in Cannes. Hier kann man wirklich Leute treffen. Es sind nicht alle so hektisch wie in Cannes."

Verkauf auch in katholische Länder - trotz kontroversem Thema 

Auch Mariette Rissenbeek kennt die Festivals dieser Welt. Am Stand von German Films spricht sie mit Vertretern, die auf dem EFM nach neuen Filmen suchen. Das Drama "24 Wochen" sei bei dieser Berlinale sehr gut angekommen, erzählt die erfahrene Filmexpertin:

"Was mich fast überrascht hat, weil es doch ein sehr kontroverses Thema ist mit Abtreibung nach 24 Wochen. Aber auch katholische Länder oder ein Land wie Taiwan, da ist der Film schon verkauft worden wo ich gedacht habe, die asiatischen Länder wären da eher zurückhaltend. Die finden diese Machart vom Film so überzeugend, dass sie ihn für ihr Land einkaufen und auch sehr viele Festivals haben gesagt, dass sie den Film programmieren möchten."

Der Film mit Julia Jentsch in der Hauptrolle ist als einziger deutscher Beitrag im Wettbewerb gelaufen und gilt als Favorit bei der Preisverleihung. Er soll in mindestens zehn Länder verkauft worden sein. Auch der neue Film von Doris Dörrie "Grüße aus Fukushima" sei auf dem Markt gut angekommen. Die Festivalleiter weltweit wollen wissen, was demnächst auf die Leinwand kommt. Mariette Rissenbeek mit einem Ausblick:

"Chris Kraus hat einen neuen Film 'Die Blumen von gestern', Fatih Akin hat einen neuen Film, "Tschick" nach dem Roman von Wolfgang Herrndorf , also es stehen einige Produktionen an, die schon bei Festivals zu sehen waren und von denen wir hoffen, dass sie bei anderen Festivals als der Berlinale zu sehen sein werden."

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