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Interview | Beitrag vom 18.01.2019

Ein Speiseplan für den Planeten"Wir können so nicht weiter Fleisch essen"

Joachim von Braun im Gespräch mit Julius Stucke

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Ein Gemüsestand auf einem Wochenmarkt (Jan-Martin Altgeld)
Eine Ernährungsstudie plädiert für den Verzehr von viel Obst und Gemüse. Denn unseren heutigen Fleischkonsum können wir nicht durchhalten, sagt Joachim von Braun. (Jan-Martin Altgeld)

Eine Studie hat erforscht, wie man im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen gesund und umweltschonend ernähren kann. Fleisch sollte wie Benzin besteuert werden, fordert der Wissenschaftler Joachim von Braun. Dazu schlägt er ein Experiment vor.

50 Gramm Hülsenfrüchte, 200 Gramm Obst und 7 Gramm Schweine- und Rindfleisch beinhaltet ein Ernährungsplan unter anderem, den Wissenschaftler als Mittelwert für einen Tag aufgestellt haben.

Drei Jahre lang hat die Umweltorganisation "The Eat" aus Oslo mit der Medizinzeitschrift "The Lancet" nach einer Studie an diesem Plan gefeilt - der gesund für den Einzelnen, aber vor allem gesund für die Welt sein soll, damit in Zukunft jeder Mensch genug zu essen hat.

"Die Kommission hat darüber nachgedacht, wie man nicht nur heute, sondern auch 2050 dann zirka zehn Milliarden Menschen, so ernähren kann, dass unsere Umwelt nicht zerstört wird", erklärt Joachim von Braun, Professor für wirtschaftlichen und technologischen Wandel an der Universität Bonn.

"Studie nimmt Menschen nicht mit"

Seine Kritik: Die Studie nehme die Menschen nicht mit. Der Konsum, gerade bei Lebensmitteln, ist seiner Meinung nach "eine zutiefst persönliche Angelegenheit". Um ihr Ernährungsverhalten zu verändern, müssten Menschen überzeugt werden. Von Braun betont aber auch, dass der Fleischkonsum weltweit zurückgehen muss:

"Wir können so nicht weiter Rindfleisch, Lamm und Schwein essen. Den Konsum, den wir heute haben, können 10 Milliarden Menschen nicht durchhalten. Also mehr Gemüse und eine gesunde Diät, die uns nicht zu Überernährung führt, ist zu fordern."

Ernährung müsse man auf nationaler Ebene planen und dafür auch steuerliche Anreize schaffen, schlägt der Wissenschaftler vor:

"Exzessiver Fleischkonsum sollte meines Erachtens besteuert werden. So wie wir Benzin besteuern, denn der Umwelteffekt von exzessivem Fleischkonsum ist erheblich. Aber die radikale Forderung, dass man nur noch einen Burger alle zwei Wochen essen darf, ist vermutlich nicht durchsetzbar."

Konsum durch Teilhabe verändern

Er wünscht sich groß angelegte Experimente, die eine ganze Stadt oder ein Landkreis durchführen:

"Ich stelle mir vor, dass eine ganze Stadt oder ein Landkreis freiwillig exzessiven Fleischkonsum besteuert, aber dann auch über die Steuererlöse mit entscheidet und so schrittweise Konsum verändert. Aber selbstbestimmt, und nicht mit einer Knute der global-universalen Diät, wie sie von der Kommission vorgeschlagen worden sind."

Auf der gerade in Berlin stattfindenden Grünen Woche hat er neue Proteinträger entdeckt, die Umwelt belastende Proteine wie Rindfleisch und Lamm ersetzen könnten. Am Stand von Thailand biete man zum Beispiel interessante Insekten zum Verzehr an.

(cosa)

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