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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.09.2013

Ein neues Haus

Wiedereröffnung der Pinakothek der Moderne in München

Von Lisa Weiß

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Ein weißblauer Himmel ist in München durch das große verglaste Kuppeldach der Pinakothek der Moderne zu sehen. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
Ein weißblauer Himmel ist in München durch das große verglaste Kuppeldach der Pinakothek der Moderne zu sehen. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)

Risse in der Rotonde der Eingangshalle – und das in einem Gebäude, das erst zehn Jahre alt war. Die Renovierung, das Ein- und Ausräumen der Kunstwerke dauerte ein halbes Jahr. So lang war das Museum geschlossen, das vom Architekturmodell über Sessel bis hin zur Skulptur ganz unterschiedliche Exponate zeigt. Heute hat es wieder eröffnet.

Es riecht noch nach Farbe in der Eingangshalle. Steigt man die imposante Treppe hoch zur bildenden Kunst, lohnt sich ein Blick in die Kuppel: Zum ersten Mal seit langem ist jetzt auch das zweite Obergeschoß wieder bespielt. Dort hängen Teppiche aus Marokko, die aussehen wie moderne Malerei. Richtig voll ist es nicht in der Pinakothek und das, obwohl es regnet. Diejenigen, die zur Eröffnung kommen, sind begeistert.

"Gefällt mir unheimlich gut ist alles schön großzügig, ganz gut gehängt, thematisch. Das macht einen helleren, offeneren Eindruck. Man wird nicht erschlagen, man kann sich auf die einzelnen Sachen ein bisschen konzentrieren."

Ausgerechnet im größten Saal im ersten Stock hängen viele kleine Schwarzweißfotos in einer Reihe, die die Besucher abschreiten können. Das wirkt erst einmal wie verschenkter Platz, doch dann begreift man schnell: Die Arbeit ist eine Einheit. Gerade die Reduzierung ist ein Teil des neuen Konzepts, sagt Bernhard Schwenk, Kurator für Gegenwartskunst in der Pinakothek der Moderne.

"Ich denke dass die Arbeiten dadurch ganz besonders intensiv zur Geltung kommen. Insbesondere die minimalistischen Arbeiten, wo auch der Betrachter eine ganz wichtige Rolle spielt und sich im Raum bewegt und dann auch merkt, dass er Teil der Installation ist."

Alle vier Sammlungen der Pinakothek zeigen auch neue Sonderausstellungen: Die Teppiche im zweiten Obergeschoß sind Teil der Design-Sammlung. Das Architekturmuseum beschäftigt sich in den nächsten Monaten mit afrikanischer Architektur. Die graphische Sammlung präsentiert frühe Zeichnungen von Andy Warhol. Und die Bildende Kunst die surrealistische Ausstellung Traumbilder, mit Werken von Salvador Dali, Pablo Picasso und vielen anderen. Viel Neues also – doch diese Besucherin hätte gerade von der Bildenden Kunst noch mehr erwartet:

"Hier bin ich schon sehr vertraut mit allen Bildern, es ist eher so ein Rendezvous mit alten Werken, die man schon kennt."

Kurator Bernhard Schwenk sieht das naturgemäß ganz anders. Das ganze Konzept habe sich verändert: Anstatt Strömungen in der Kunst darzustellen und Bilder aus gleichen Epochen zusammenzuhängen, soll jetzt die Atmosphäre das Bindeglied sein. Aus dem gleichen Material gefertigte Arbeiten und solche, die um ein gleiches Motiv kreisen, hängen jetzt oft in einem Raum. Früher wurden die Fotografien separat präsentiert. Jetzt steht eine bunte Skulptur aus Autoblech im hellen Licht neben farbenfrohen Fotografien – beide Arbeiten wirken auf einmal fast wie Malerei. Er habe versucht, bei der Gestaltung virtuelle Räume zu schaffen, sagt Kurator Schwenk.

"Wir hören hier im Hintergrund ein Gedicht, das gelesen wird und wir sehen eine Frau, die in Gips an einem Tisch sitzt und in einem kleinen Kassettenrecorder diesen Gedichten lauscht. Und sie schaut dabei auf diesen Kassettenrecorder aber gleichzeitig schaut sie auch in ein schwarzes Fenster. Und diese Installation, die von George Siegel ist, also einem amerikanischen Künstler, die wird kombiniert mit einer Fotografieserie von Lee Friedländer."

In den Fotos tauchen Elemente der Installation wieder auf, man sieht Menschen von hinten, Spiegelungen in Fenstern. Es entsteht eine Verbindung zwischen den beiden Werken. Diese Herangehensweise ist neu, jedenfalls in der Pinakothek der Moderne.

"Für uns ist es ein neues Haus. So dass sich fast die Frage stellt, ob man nicht alle fünf Jahre mal ne kleine Pause einlegt um dann eben mit frischem Blick wieder einzusteigen."

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