Seit 05:05 Uhr Studio 9

Donnerstag, 21.03.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit / Archiv | Beitrag vom 20.06.2015

E-Book-Messe in Berlin Digital Born

Von Sieglinde Geisel

Podcast abonnieren
Ein Mann hält am 28.09.2012 in München (Bayern) ein elektronischen Reader der Marke Kindle in seinen Händen.  (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
Wie wird aus einem Text ein E-Book? Lassen sich E-Books in Bibliotheken integrieren? (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)

Seit einigen Jahren formiert sich in Deutschland eine digitale Publishing-Szene. Aber wohin geht die Reise bei den E-Books? In Berlin haben sich Vertreter der Branche der Digitalverlage auf der "Electric Book Fair" getroffen und versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden.

"Ich lese auf meinem Smartphone ... Oh, hoffentlich habe ich noch genug Akku."

Elektrische Bücher sind Dateien, und die liest man auf dem Smartphone, dem E-Reader oder dem Tablet. Im Literarischen Colloquium Berlin begann gestern Abend mit der "Elektrischen Lesenacht" die E-Book-Messe, die heute Nachmittag im Colonia Nova in Neukölln mit dem "Electric Afternoon weiterging. Das E-Book ist immer noch nicht für alle Leser selbstverständlich: Der Anteil der elektrischen Bücher liegt in Deutschland erst bei sechs Prozent. Nikola Richter, die Verlegerin von "Mikrotext", einem reinen E-Book-Verlag, und Organisatorin der E-Book-Messe:

"Im Alltag lesen so viele Menschen schon mobil und auf dem Bildschirm, das digitale Lesen ist eigentlich im Alltag angekommen, und diese Buch-Haptiker, diese Seitenduft-Vertreter, die dann sagen, ich kann nicht so ein E-Book lesen, weil da fehlt mir der Duft - denen entgegne ich dann immer, ach so, du kaufst also ein Buch, weil du daran riechen möchtest."

Wie wird aus einem Text ein E-Book?

Ein Verlag wie Mikrotext veröffentlicht E-Books nicht als Zweitverwertung von gedruckten Büchern, sondern als elektrische Originale: "Digital Born", fürs Digitale gemacht, ein Ausdruck, der vielleicht heute auf der E-Book-Messe erfunden wurde. Etwa achtzig Besucher aus der digitalen Szene diskutierten am "Electric Afternoon". Wie wird aus einem Text ein E-Book? Lassen sich E-Books in Bibliotheken integrieren? Wie können Autoren sich im Netz vermarkten? Karla Paul ist eine erfolgreiche und leidenschaftliche Literaturbloggerin:

"Ich würde also alle darum bitten, dass wir nicht sagen, es geht um Literaturvermittlung im Netz im Sinn von Produkte verkaufen, sondern dass wir eher so etwas wie Mission, Emotionen haben. Ganz viel Glück ist das natürlich auch im Netz, dass die sozialen Netzwerke diese Emotionen fördern. Zum Beispiel bei Facebook, die ganz stark auf die Interaktion gehen, und je mehr wir Leute für etwas begeistern, sie dazu bringen, dass sie es liken, dass sie es teilen, mit ihren Freunden diskutieren, desto höher steigt ja der Inhalt auch. Es ist einfach wahnsinnig wichtig, dass wir Emotionen wecken."

Bücher, die nicht zwischen zwei Buchdeckeln existieren, können alles Mögliche sein. Andrea Nienhaus ist Designerin für E-Books bei Mikrotext:

"Es gibt einen Eintrag im Duden, aber ein E-Book ist eine digitale Veröffentlichung, das kann ein PDF sein, das kann ein e-pub-Format sein, das kann aber auch eine App sein oder ein sogenanntes enhanced E-Book. Es ist also kein feststehender Begriff sein. Eigentlich reden wir von digitalen Publikationen im weitesten Sinne."

Die Verlage, die sich auf der E-Book-Messe getroffen haben, sind noch sehr jung - die meisten noch keine zwei Jahre alt. Wie wird sich das E-Book in den nächsten Jahren entwickeln?

"Es bringt nichts, über übermorgen zu sprechen"

"Die Glaskugel - nee, das kann ich nicht wissen, das kann keiner wissen. Ich bin der Meinung, man muss eigentlich gucken, was passiert jetzt gerade, was sind die Möglichkeiten, die wir jetzt gerade nutzen können, und schöpfen wir die eigentlich schon wirklich aus. Ich bin der Meinung, die sind überhaupt noch nicht ausgeschöpft, deswegen bringt es nichts, über übermorgen zu sprechen. Die Entwicklungen sind so kurzlebig. Dass wir jetzt so über E-Books sprechen, hätte vor zehn Jahren auch keiner gedacht."

Mehr zum Thema:

E-Book - Singles für 99 Cent sind ein Flop
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 16.06.2015)

Verlag Hermann Schmidt - Experimente gehören zu ihrem Geschäft
(Deutschlandfunk, Corso, 25.05.2015)

Buchhandel - Self-Publishing als Talentschmiede
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 22.05.2015)

"Tausend Tode schreiben" - Digitale Literatur im eigentlichen Sinn
(Deutschlandfunk, Corso, 17.03.2015)

Einigung im E-Book-Streit - "Amazon wird sich den nächsten Verlag vornehmen"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 23.10.2014)

E-Book-Reader - Die Bücherei in der Handtasche
(Deutschlandfunk, Marktplatz, 09.10.2014)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsOhne Zugang zum Wissen
Auf einem Computerbildschirm ist das Logo der deutschen Version der freien Enzyklopädie Wikipedia durch eine Lupe vergrößert auf einem Computerbildschirm zu sehen.  (dpa-Zentralbild - Foto: Peter Zimmermann)

Während die "Welt" Wikipedia die Demokratisierung des Zugangs zum Wissen zuschreibt, ist die "FAZ" der Meinung, dass die Online-Enzyklopädie durch ihren Streik wegen der EU-Urheberrechtsrichtlinie unobjektiv und unglaubwürdig wird.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 12Von Wilmersdorfer Witwen und kämpferischer Kultur
Die legendären "Wilmersdorfer Witwen" im Musical "Linie 1" des Grips-Theaters. (David Baltzer / bildbuehne.de / Grips Theater)

Das Berliner Grips-Theater wird 50 Jahre alt. Ist sein Erfolgsmusical „Linie 1“ noch aktuell? Ein Selbstversuch mit drei Generationen. Außerdem: Lässt sich das Theater in einen von rechtsnationalen Kräften erklärten „Kulturkampf“ verwickeln?Mehr

Folge 11Von Vielfalt und Verstärkung
Ein Darsteller des Musicals "Miss Saigon" mit einem angeklebten kleinen Stirnmikrofon steht am 25.01.2019 in Köln bei einem Fototermin auf der Bühne. (imago / Horst Galuschka)

Wer spricht wie auf deutschen Bühnen? Es gibt zwar immer mehr Schauspieler*innen mit angeklebten Mikrofonen, aber noch zu wenige aus benachteiligten Gruppen. Um Diversity und Mikroports geht es in Folge #11 des Theaterpodcasts.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur