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Kompressor | Beitrag vom 23.04.2021

Doku-Filmer Thomas Heise zur "Lovemobil"-DebatteDas Problem mit den fertigen Meinungen

Thomas Heise im Gespräch mit Gesa Ufer

Thomas Heise, Autor und Regisseur, Direktor der Sektion Film- und Medienkunst der Akademie der Künste, aufgenommen 2019 (imago / Reiner Zensen)
Die Arbeitsbedingungen in den Sendern und mit den Redaktionen empfindet der Filmemacher Thomas Heise als schwierig. (imago / Reiner Zensen)

Wie weit dürfen Inszenierungen im Dokumentarfilm gehen? Täuschungen der "Lovemobil"-Regisseurin haben zu einer Debatte darüber geführt. Filmemacher Thomas Heise hält ihr Vorgehen für unlauter. Doch Vorgaben von Redaktionen erschwerten die Arbeit.

Vor einem Monat kam heraus, dass für den preisgekrönten Dokumentarfilm "Lovemobil" getäuscht wurde: Regisseurin Elke Margarete Lehrenkrauss wollte von der Sexarbeit an einer niedersächsischen Landstraße erzählen, arbeitete dafür aber mit Darstellerinnen und Bekannten, um eine "viel authentischere Realität" herzustellen, wie sie selbst sagte. Die Debatte darüber, wie weit Inszenierungen im Dokumentarfilm gehen dürfen, dauert ebenso an wie die Suche nach Korrekturen im System.

Der NDR, dessen eigenes Magazin "Strg_F" den Schwindel aufgedeckt hatte, hat sich in seiner Aufarbeitung des Falls in dieser Woche von der Filmemacherin distanziert. Außerdem steht immer noch die Überlegung im Raum, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, dass man künftig "misstrauischer" gegenüber denjenigen sein wolle, mit denen man zusammenarbeite.

"Fakt, dass jemand unlauter gearbeitet hat"

Für Thomas Heise liegt der Fall "Lovemobil" klar. "Wenn ich was machen will über die Frauen, die dort arbeiten, und mir dann Darsteller hole, die das erzählen, dann muss ich einen Spielfilm machen. Das ist relativ einfach." Für Heise, der zuletzt "Heimat ist ein Raum aus Zeit" veröffentlichte und zu den bedeutendsten Dokumentarfilmemachern in Deutschland gehört, geht es bei "Lovemobil" um "den Fakt, dass jemand unlauter gearbeitet hat".

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Die Arbeitsbedingungen in den Sendern und mit den Redaktionen empfindet der Filmemacher als schwierig – wenn etwa vorab in den Exposés und Szenarien schon detailliert stehen soll, wie der Film dann wird, "denn das weiß ich meistens zu dem Zeitpunkt noch gar nicht". Deshalb habe er bei diesen Texten "letztlich die Gremien im Kopf, die ich versuche, in irgendeiner Weise zu bedienen. Das ist eigentlich kein guter Zustand. Insofern ist mein Misstrauen gegenüber den Redaktionen ziemlich groß."

Was fehle, ist die Neugier auf Arbeiten und Stoffe, die ihren Ausgang bei konkreten Figuren nähmen und nicht bei einem vorher feststehenden Thema oder einer Meinung: "Es hat wenig Sinn, sich über das Problem und einer fertigen Meinung dazu passende Figuren zu suchen, mit denen man das ausmalt." Das sei, so Heise, der seit 1980 Filme macht, "Malen nach Zahlen".

(md)

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