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Lesart | Beitrag vom 27.07.2021

Diversität in Kinder- und JugendbüchernJenseits von Bilderbuchklischees

Carla Heher im Gespräch mit Frank Meyer

Illstration: Unterschiedliche Kinder sitzen in einer Gruppe und hören einer vorlesenden Person zu. (imago / Ikon Images / Katherine Coulton)
Unsere Gesellschaft ist bunt. Kinderbücher sollten das transportieren, findet die Bloggerin Carla Heher. (imago / Ikon Images / Katherine Coulton)

Was macht eigentlich ein gutes Kinder- und Jugendbuch aus? Für die Bloggerin Carla Heher spiegelt es unsere vielfältige Gesellschaft mit ihren diversen kulturellen und sozialen Hintergründen wider. Hier stellt sie einige ihrer Lieblingsbücher vor.

Die Journalistin und Bloggerin Carla Heher war auf der Suche nach einem schönen Buch für ihr Kind. Das war gar nicht so einfach – jedenfalls nicht, wenn man, wie Heher, Geschichten sucht, die klischeefrei und jenseits der üblichen Vater-Mutter-Kind-Haus-im-Grünen-Stereotype die Welt zeigen, in der wir leben: Geschichten mit Menschen unterschiedlichster familiärer Hintergründe, Hautfarben, sexueller Orientierungen oder mit Behinderungen.

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Kurz: Carla Heher suchte und fand schließlich doch eine Reihe von Büchern, die sie begeisterten. Bücher, die die Diversität unserer Gesellschaft abbilden. Sie ist überzeugt: Die Entabuisierung bestimmter Themen in Kinderbüchern trage "zu einem positiven Selbstbild bei – ohne Scham und Sprachlosigkeit".

Kritik aus der rechtskonservativen und antifeministischen Ecke

Heher betont, Bücher für Kinder und Jugendliche, in denen queere Menschen ganz selbstverständlich eine Rolle spielen und offen über sexuelle Orientierungen geschrieben wird, würden vor allem aus "einer rechtskonservativen, antifeministischen Ecke" kritisiert.

Auch deshalb sind ihr Blog buuu.ch und ihr Podcast zum Thema für sie eine Herzensangelegenheit – um ihr Wissen und ihre Informationen über diverse Kinderliteratur mit anderen zu teilen. Der Idealfall ist für Heher, wenn im Buch das zentrale Thema nicht explizit Diversität sei, sondern wenn diese nebenbei miterzählt werde. Es sei denn, es handele sich um Sachbücher, die sich ausdrücklich beispielsweise mit sexueller Aufklärung beschäftigten.

Diese Bücher zählen zu Carla Hehers Favoriten: 

Buchcover vor grafischem Hintergrund. (Carlsen / Deutschlandradio)Den Blick auf sich selbst und die anderen Kinder beschreibt Constanze von Kitzing in ihrem Bilderbuch "Ich bin anders als du". (Carlsen / Deutschlandradio)

Constanze von Kitzing: "Ich bin anders als du / Ich bin wie du"
für Kinder ab 3 Jahren
Carlsen, 2019, 82 Seiten, 16 Euro

Heher begründet: "Die Illustratorin Constanze von Kitzing ist eine Pionierin, was Diversität in deutschsprachigen Kinderbüchern betrifft. In diesem Wendepappbilderbuch geht um Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Kindern."

Buchcover vor grafischem Hintergrund (Carlsen / Deutschlandradio)Wie es ist, mit verschiedenen kulturellen Hintergründen aufzuwachsen, davon erzählt Ayse Bosse in "Pembo". (Carlsen / Deutschlandradio)

Ayşe Bosse: "Pembo – Halb und halb macht doppelt glücklich!"
Illustriert von Ceylan Beyoğlu, für Kinder ab 9 Jahren
Carlsen, 2020, 272 Seiten, 10 Euro

Das gefällt der Bloggerin an dem Buch, das für den Jugendliteraturpreis 2021 nominiert ist: "Kinder mit türkischem Background sind speziell in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur absolut unterrepräsentiert und werden, wenn, dann oft sehr klischeehaft dargestellt. "Pembo" sei eine "herausragende Ausnahme."

Buchcover vor grafischem Hintergrund. (Jungbrunnen Verlag / Deutschlandradio)Was macht ein Mädchen aus, und warum taugen Klischees nichts? Autorin Agnes Ofner beschreibt eine Pubertät jenseits von klaren Geschlechterzuordnungen. (Jungbrunnen Verlag / Deutschlandradio)

Agnes Ofner: "Nicht so das Bilderbuchmädchen"ab 12 Jahren
Jungbrunnen Verlag, 2019
180 Seiten, 17 Euro

An Ofners Jugendbuch, so Heher, gefalle ihr besonders die "feinfühlig, aber mit Leichtigkeit erzählte Geschichte über cis-und-trans-Pubertät, erstes Verliebtsein und Freund*innenschaft". Coming-of-Age jenseits der Klischees.

Geschichten über Rom*nja und Sinti*zzi

Empfehlenswert findet Carla Heher auch die die Bücher diverser Autorinnen und Autoren und Illustratorinnen und Illustratoren aus der "Der kleine Fuchs liest vor"- Reihe des Oetinger Verlages. Sie wenden sich an Kinder im Kindergartenalter. "Die Bücher widmen sich jeweils einem beliebten Thema (zum Beispiel Prinzessinnen, Dinosaurier, Piraten) und sind vielfältig, ohne dass diese Tatsache groß ausgeführt wird. Die Geschichten haben immer einen Bezug zur Lebenswelt von Kindern."

Sehr beeindruckt ist die Bloggerin auch von der Berliner Afro-Sintezza Tayo Awosusi-Onutor: "Sie hat mit den ‚Jokesi Club‘-Büchern über drei Mädchen in Berlin eine Buchreihe gestartet, in der Rom*nja oder Sinti*zzi als handelnde, starke Akteur*innen vorkommen. Denn: BiPoc Kinder sollen die Held:innen ihrer eigenen Geschichten sein."

Tayo Awosusi-Onutor: "Jokesi Club. Jekh, Dui, Drin – 3 Freundinnen in Berlin"
Illustriert von Olufemi Stella Awosusi
Tayo Awosusi-Onutor, 48 Seiten, 6,95 Euro

(mkn)

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