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Interpretationen / Archiv | Beitrag vom 03.02.2019

Die Vierte Sinfonie von Carl Nielsen"Das Unauslöschliche"

Gast: Tomi Mäkelä, Musikwissenschaftler; Moderation: Olaf Wilhelmer

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Der Komponist Carl Nielsen (picture alliance / dpa / Polfoto)
Auf der Suche nach dem Unauslöschlichen: Der dänische Komponist Carl Nielsen (1865-1931) (picture alliance / dpa / Polfoto)

Musik über die Lebenskraft, geschrieben als Gegenstimme zum Krieg: Die Vierte Sinfonie des dänischen Komponisten Carl Nielsen ist ein Dokument ihrer Zeit – und ein zeitloses Meisterwerk.

"Das Unauslöschliche" – diesen ungewöhnlichen Titel gab Carl Nielsen (1865-1931) seiner Sinfonie Nr. 4 op. 29. Die Idee zu einem solchen Werk hatte er schon etliche Jahre mit sich herumgetragen, bis der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und die Bewältigung einer schweren Ehekrise ihn 1914 dazu drängten, mit der Arbeit zu beginnen. 1916 konnte Nielsens Vierte uraufgeführt werden; sie gilt heute als eine der bedeutendsten Hervorbringungen der dänischen Musik und wurde 2006 in eine offizielle Liste des nationalen Erbes aufgenommen.

Hier geht es zur Playlist der Sendung.

Philosophie und Polyphonie

Doch auch jenseits von Jütland, Seeland und Fünen erregte diese Sinfonie Aufmerksamkeit. Parallel zur "Alpensinfonie" von Richard Strauss und zur Suite "The Planets" von Gustav Holst entstanden, ist sie ein herausragendes Zeugnis der europäischen Orchestermusik des frühen 20. Jahrhunderts. Philosophische Ambitionen verbinden sich hier mit instrumentatorischer Meisterschaft und formaler Raffinesse: Die vier Sätze der Sinfonie gehen allesamt ineinander über, ihre Themen wiederum gehen auseinander hervor. Zugleich ist "Das Unauslöschliche" ein Werk der Kontraste, in dem pastorale Ruhe auf triumphierende Hymnen trifft, in dem monumental ausgeführte Melodik im Wechsel mit Phasen komplexer Polyphonie zu hören ist.

Nordische Netzwerke

Entsprechend schwierig ist es, ein solches Werk auf die Bühne zu bringen, zudem der instrumental vielfach begabte Nielsen an ein ebenso virtuoses wie ausdifferenziertes Spiel der Orchestermusiker dachte. Erst in den späten 1960er Jahren beginnt in den Studios die umfassende Aufnahmetätigkeit in Sachen Nielsen, wobei sich zunächst amerikanische und englische Orchester engagieren, ehe auch andere Klangkörper – nicht zuletzt die hervorragenden Rundfunkorchester der skandinavischen Länder – hinzutreten.

Unser Studiogast Tomi Mäkelä kommt aus Finnland, lebt seit langer Zeit in Deutschland und hat eine Professur für Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg inne. Er ist mit etlichen Publikationen zur finnischen Musikgeschichte – vor allem zum Werk von Jean Sibelius – hervorgetreten und beschäftigt sich zur Zeit intensiv mit dem Werk von Sibelius‘ dänischem Zeitgenossen Carl Nielsen.

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