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Neue Musik | Beitrag vom 07.07.2020

Die Tücken der elektroakustischen MusikGestern hat's noch funktioniert

Von Michael Rebhahn

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Der Pianist und Elektronikexperte Sebastian Berweck  (Anika Neese)
Der Pianist und Elektronikexperte Sebastian Berweck fragt systematisch danach, warum was nicht geht. (Anika Neese)

Veraltete Technologien, fehlende Anleitungen: Sebastian Berweck ist Experte für historische Aufführungspraxis Neuer Musik. Muss sich der moderne Interpret mit elektronischen Medien befassen, sich mit Computern, Soft- und Hardware auskennen?

Je komplexer eine Sache, desto störungsanfälliger ist sie. Das gilt für Raumfahrt, Nanotechnik oder Halbleiterforschung ebenso wie für die Musik – insbesondere dann, wenn mit elektronischen Medien gearbeitet wird.

Reißt einem Geiger im Konzert die Saite, ist das zwar ärgerlich, aber ohne weiteres zu beheben. Es wird ein Ersatzinstrument gereicht oder eben eine neue Saite aufgezogen. Wie das funktioniert, ist jedem Streicher geläufig – ohne Handbuch oder die Anleitung durch einen Experten. Gibt dagegen im Konzert – oder kurz davor – die Elektronik den Geist auf, so kann häufig nicht mit gleicher Selbstverständlichkeit Abhilfe geschaffen werden.

Warum geht das nicht?

Muss der moderne, aufgeschlossene Interpret sich also mit Elektronik befassen, sich mit Kabeln und Steckern, mit Computern und Software auskennen? Die Meinung dazu ist ambivalent: der flexible und "multifunktionale" Allrounder ist dabei ebenso ein Modell wie der "Fachkünstler", der auf die Unterstützung von Experten angewiesen bleibt.

Der Berliner Pianist und Elektronik-Experte Sebastian Berweck hat sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt. In den letzten Jahren hat er seine Interpretentätigkeit "verwissenschaftlicht": Er führte ein Forschungsprojekt durch, dass sich den Schwierigkeiten bei der Produktion von Musik mit Live-Elektronik widmete. Das Resultat dieser Forschungen ist eine Arbeit mit dem Titel "It worked yesterday – On (re-) performing electroacoustic music".

Warum geht das jetzt?

Dass die Probleme, die er in dieser Studie beschreibt und untersucht, keineswegs der Vergangenheit angehören, hat sich im Zuge seiner Forschungen bestätigt. Daran scheint auch die vielzitierte Technikaffinität der jüngeren Generationen nichts zu ändern.

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