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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.09.2016

"Die Griechen" im Berliner Ensemble"Erzwungenschaften des vermeinten Europa"

Von Peter Claus

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Die Schauspieler Felix Tittel (M.) sowie im Hintergrund Benno Lehmann, Sven Scheele und Anatol Käbisch stehen am 15.09.2016 in Berlin während einer Probe des Stückes «Die Griechen» (Demos) auf der Probebühne des Berliner Ensembles (BE). Das Stück von Volker Braun hat am 16.09.2016 Uraufführung. Foto: Soeren Stache/dpa | Verwendung weltweit (dpa/Soeren Stache)
Der Schauspieler Felix Tittel während einer Fotoprobe von "Die Griechen". (dpa/Soeren Stache)

Volker Braun, einer der wichtigsten DDR-Dramatiker, ist auf der Bühne zurück. Seit dem Mauerfall wurden seine Stücke immer seltener gespielt. Nun feiert er mit seinen "Griechen" ein Comeback im Berliner Ensemble - und nutzt die Form der antiken Tragödie zu aktueller Gesellschaftskritik.

Formen der antiken Tragödie nutzend, setzt sich Volker Braun in "Die Griechen" mit der Finanzkrise in Griechenland, der sogenannten Schuldenkrise, auseinander. Dabei konzentriert er sich auf das, wie er es nennt, "unbiegbare Schicksal". Mit manch polemischen Anspielungen verweist er auf die Realität. Der Minotaurus, das Ungeheuer, heißt da auch mal Eurotaurus. Von ihm heißt es, es sitze im Rollstuhl. Das soll wohl eine Anspielung auf den deutschen Finanzminister sein. Aus bekannten Politikfloskeln werden bissige Pointen. So spricht er nicht von den  "Errungenschaften des Vereinten Europa", sondern von den "Erzwungenschaften des vermeinten Europa". Als Chor agieren – neben anderen – vierhundert entlassene Putzfrauen. Sie werden von vier Schauspielerinnen vertreten. Wem fielen da nicht die Frauen ein, die in Deutschland von "Schlecker" auf die Straße gesetzt worden sind?!

Wie die Konsumgesellschaft der Demokratie schadet

Volker Braun will, dazu nutzt er auch starke Anspielungen auf das berühmte Stück "Die Perser" von Aischylos, Europas Schieflage spiegeln. Wobei er’s nicht beim üblichen Unbehagen der Marke "die da oben, wir hier unten" belässt. Der Text macht deutlich, wie sehr etwa die durch die Konsumgesellschaft entfachte Gier jedes Einzelnen der Demokratie schadet. Manchmal nutzt er auch Kalauer, wie "kein Heller für Hellas". Schade, dass ihm das kein guter Dramaturg gestrichen hat.

Regisseur Manfred Karge setzt aufs Wort. Die Bühne, eher ein Podest, die Zuschauer dicht davor, ist klein. Der Aufbau ist in unschuldiges Weiß gehüllt. Stühle darauf markieren Räume. Mehr Aufwand ist nicht. Was sich als klug erweist. Alles bleibt dezent. Keine Spielastik. Die Schauspieler geben ihr Bestes, mit Worten und in der Körpersprache. Da ist man als Zuschauer nicht nur ob der Nähe zum Geschehen sofort dicht dran – und nimmt jede Menge zum Nachdenken mit nach Hause, darüber, wie man sich selbst einbringen kann oder sollte, ins politische Geschehen. Brauns Haltung ist eindeutig: "Ihr habt keine Wahl, also wählt!"

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