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Literatur / Archiv | Beitrag vom 08.09.2019

Die Grenze zu den USA in der mexikanischen LiteraturDer nordamerikanische Alptraum

Von Tini von Poser

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Migranten aus Mexiko klettern über den Grenzzaun in die USA. Füsse stehen auf einer Schulter und Hände werden sichernd in die Luft gereckt. (picture alliance / dpa / Omar Martínez)
Die abgeriegelte Grenze zwischen den USA und Mexiko beeinflusst Mexiko - wie sehr, zeigt auch ein Blick in die Literatur. (picture alliance / dpa / Omar Martínez)

Waffen-, Drogen-, Organ- und Menschenhandel, Korruption und Gewalt bis hin zu Massakern - die abgeriegelte Grenze zu den USA sorgt für Verheerungen, die die mexikanische Gesellschaft in Gänze beschädigen. Das beeinflusst auch die Schriftsteller des Landes.

Coyoacán ist ein beinahe idyllischer Stadtteil, der unter Smog und Verkehrschaos leidenden 9-Millionen-Metropole Mexiko-Stadt. Frida Kahlo lebte und malte einst hier, ihr Haus ist ein Museum. In Coyoacán wohnen viele mexikanische Intellektuelle, Künstler und Literaten: Juan Villoro etwa, Sabina Berman, Guadalupe Nettel, Yael Weiss und Carmen Boullosa.

Die Verheerungen der Grenze

Sie alle schreiben nicht nur, aber immer wieder über Waffen- und Drogenhandel, Menschen- und Organhandel, über Korruption und alltägliche Gewalt. Über Menschen, die ihr Land verlassen und in den USA ihr Glück suchen. Denn die abgeriegelte Grenze zum wohlhabenden nördlichen Nachbarn strahlt aus. Sie prägt das Leben auch jener Mexikaner, die ihr Land nicht verlassen wollen oder weit entfernt von der Grenze in Coyoacán leben.

Gangs, Geldwäschen und Drogen

Nicht immer sind es eigene Erfahrungen, die die Schriftstellerinnen und Schriftsteller thematisieren. Oft leihen sie denen die Stimme, die sich nicht äußern können, weil sie um ihr Leben kämpfen. Oder jenen, die nach der geglückten Einreise erkennen müssen, dass sie zwar am Ziel ihrer Reise sind, nun jedoch andere Gefahren auf sie warten. Selbst wer wie Guadalupe Nettel in einem ruhigen Viertel aufwuchs, konnte die Ohren nicht verschließen vor den Erzählungen von Gangs, Geldwäschen und Drogen. Einige Autorinnen und Autoren können über die Provokationen des US-Präsidenten Donald Trump noch lachen, andere erfüllen sie mit Schmerz, zumal jene, deren Verwandte oder Freunde in den USA leben.

Die mexikanischen Autoren wollen Brücken bauen statt Mauern. Sie wollen Dialog statt Abschottung. Und zwar mit Literatur, Musik und allen anderen Künsten, die Mexiko zu bieten hat.

Das Manuskript der Sendung finden Sie hier.

Ton: Jan Fraune
Regie: Clarisse Cossais
Besetzung: Justus Carrière, Bettina Hoppe, Cornelia Schönwald, Timo Weisschnur.  

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