Die ganze Sendung

Warum die Welt aus den Fugen ist

Peter Sloterdijk
Der Philosoph Peter Sloterdijk, hier auf einem Bild vom Oktober 2012. © dpa / Andreas Gebert
10.08.2014
Die Geschichte lässt sich als Abfolge von zivilisatorischen Schreckensszenarien lesen, meint der Philosoph Peter Sloterdijk. Außerdem in der Sendung: moderner Ablasshandel im Fall Ecclestone und Philosophisches rund um die Krimiserie "The Wire".
Moderne, das ist die Zeit, in der der Mensch das Schicksal selbst in die Hand nimmt. Politisch, gesellschaftlich, ästhetisch. Und zur Signatur dieser Zeit der Moderne gehören üblicherweise Begriffe wie Fortschritt, Emanzipation, Freiheit oder Aufklärung. Peter Sloterdijk legt eine ganz andere Erzählung der Geschichte der Neuzeit vor. "Die moderne Welt", so schreibt er in seinem jüngsten Buch "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit", "wird sich als eine Zeit erweisen, in der die Wünsche durch ihr Wahrwerden das Fürchten lehren." In dieser Sendung erklärt Sloterdijk, warum man die Geschichte als Abfolge von zivilisatorischen Schreckensszenarien lesen kann.
Die Abgründe moderner Gesellschaften kann man auch in der Fernsehserie "The Wire" studieren, in der Christian Berndt das Wirken des philosophischen Helden Sisyphos wiedererkennt. Ob auch Mr. Formel 1, Bernie Ecclestone, zu den schrecklichen Kindern der Neuzeit gehört, wenn er sich für 100 Millionen Dollar seine Unschuld zurückkauft, weil so der Bestechungsprozess eingestellt werden konnte, das klärt Mirjam Schaub in ihrem Kommentar. Wie allererst Geschichte entsteht, das haben wir in der heutigen Sendung Kinder gefragt. Und von dem Musiker und Lebenskünstler Friedrich Liechtenstein erfahren wir, worüber es sich im Sein zu streiten lohnt.
Zu den einzelnen Beiträgen:

1. Peter Sloterdijk und die Monstren der Neuzeit
Wie kaum ein anderer Philosoph hat sich Peter Sloterdijk seinen Ruhm als sprachgewaltiger Begleiter der Zeitläufte erarbeitet. Stets greift sein Denken aus in die kulturellen Tiefendimensionen der Geschichte, um die Gegenwart zu enthüllen, eine Gegenwart, die Sloterdijk ein ums andere Mal gegen den Strich liberaler oder humaner Selbstverständnisse bürstet. Und nicht selten lösen seine Thesen, etwa zur Menschenzüchtung oder zur Kritik am Steuerstaat, heftige öffentliche Kontroversen aus. Sein jüngstes Buch "Die schrecklichen Kinder der Neuzeit" enthält nicht weniger als eine Geschichtsphilosophie. Und die rekonstruiert er als eine Abfolge von Schreckensszenarien, die durch einen fortwährenden Generationenbruch entsteht: Jedes Neue birgt für ihn ein zivilisatorisches Monster.
2. Von wegen "Geld stinkt nicht"!
153a – drei Ziffern und ein Buchstabe. Mit dem Paragraphenzeichen davor ist das Goldes wert. Zumindest für die Staatskasse und zumindest im Fall von Bernie Ecclestone, dem in München der Prozess gemacht wurde wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue. Der Prozess wurde in dieser Woche eingestellt, gegen Zahlung von 100.000.000 Dollar. Dank des Paragraphen 153a, der eigentlich nur im Falle kleinerer Delikte kommt. Ecclestone ist nun im juristischen Sinne unschuldig und nicht vorbestraft. Die Philosophin Mirjam Schaub von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg fragt sich, ob wir es hier mit einer modernen Version des Ablasshandels zu tun haben.
3. Sisyphos reloaded - The Wire und die Philosophie
Die Fernsehserie "The Wire" führt uns in die Abgründe des Drogenhandels von Baltimore und einer Polizeiarbeit, in der die Grenze von Gut und Böse zu schwimmen droht. Doch "The Wire" ist nicht nur eine Krimiserie, sie entwirft ein komplexes Gesellschaftspanorama, das vom kriminellen Milieu über die Polizei, die Politik, das Schulwesen bis zu den Medien reicht. Nicht erst seit Kurzem beschäftigen sich auch Philosophen intensiv mit der Fernsehserie. Christian Berndt räsoniert für "Sein und Streit" über "The Wire" und die Philosophie.
4. Kleine Leute, große Fragen
Der Philosophen Augustinus hat einmal gesagt, immer dann, wenn er nicht danach gefragt wird, was die Zeit sei, dann wisse er es, nur wenn man ihn danach fragt, könne er es nicht sagen. In dieser Woche haben wir zwischen 9 und 13 Jahre alte Jungens gefragt, wohin die Zeit geht, wenn sie vergangen ist? Jonathan, Lukas, Otto und Niklas aus Utting am Ammersee waren um Antworten nicht verlegen.
5. Mister Supergeil wird philosophisch
Drei Fragen an Friedrich Liechtenstein
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