Die Ärzte sagen Tournee ab

    Veranstalter beklagen Flickenteppich bei den Corona-Regeln

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    Ein Mann mit hellblonden Haaren steht im blauen Scheinwerferlicht auf einer Bühne. Er spielt Gitarre und singt. Es ist Farin Urlaub von der Band Die Ärzte.
    Da waren Die Ärzte noch auf Tour: der Sänger und Gitarrist Farin Urlaub bei einem Konzert in Freiburg. © picture alliance / dpa / Patrick Seeger
    Jens Michow im Gespräch mit Julius Stucke · 20.09.2021
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    Die Ärzte haben ihre Tour für 2021 abgesagt: Die unterschiedlichen Corona-Regeln in den Bundesländern mache die Planung unmöglich. Der Konzertbranchenvertreter Jens Michow hofft auf Konzerte ohne Abstandsregeln - und klare Rahmenbedingungen von der Politik.
    "Heute ist ein schwarzer Tag", hieß es am Montag auf der Website der Punkrock-Band Die Ärzte: Die Berliner Musiker haben alle in diesem Jahr geplanten Konzerte ihrer "In The Ä Tonight Tour" abgesagt.
    Als Grund für die Absage nennt die Band den Flickenteppich der Corona-Regeln: "Ein paar Bundesländer würden uns Stand heute Konzerte ohne Abstand mit der 2G-Regel erlauben, andere nicht, oder noch nicht, aber eventuell später". So lasse sich keine Tour planen.

    Viele Absagen – "still und heimlich"

    Es gebe bedauerlicherweise ganz viele Beispiele dafür, dass Livemusik unter diesen Bedingungen nicht möglich sei, sagt Jens Michow, Chef des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. Tourneen seien oft schon mehrfach abgesagt und verschoben worden. "Es gibt leider viele, die die gleiche Konsequenz schon still und heimlich gezogen haben."
    Nur Veranstaltungen ohne Beschränkungen seien letztendlich wirtschaftliche Veranstaltungen, betont Michow. "Wir haben natürlich alle gehofft, dass es jetzt wirklich in diesem Herbst möglich sein wird, überall ohne Abstandsregelungen, ohne Masken, ohne besondere Hygienekonzepte zu veranstalten."

    Fehlende Reaktion aus der Politik

    Kein Veranstalter wolle Teile seines Publikums von einer Veranstaltung ausschließen, so Michow. Deshalb habe sein Verband monatelang für eine 3G-Regel oder eine 3G+-Regel plädiert, also Veranstaltungen für Geimpfte, Genesene und PCR-Getestete. "Wir haben zu alldem keinerlei Antworten erhalten."
    Deshalb habe man sich schließlich an die Politik gewandt mit der Frage, was denn noch mehr passieren solle als ein 2G-Modell. Auch darauf habe es keine Reaktion gegeben. Der Branchenvertreter kann nicht nachvollziehen, warum Geimpfte und Genesene nun nicht ihre Rechte zurückbekommen.
    Der einzige Wunsch der Veranstalter sei, "dass man uns sagt: Wie müssen die Rahmenbedingungen aussehen, damit wieder wirtschaftlich veranstaltet werden kann? Kein Mensch möchte Veranstaltungen absagen. Wir tun das unter dem Druck der Situation."

    Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates, kritisiert die unterschiedlichen Verordnungen als "Armutszeugnis" für die Länder. Er fordert eine einheitliche 3G-Regelung. [ AUDIO ]

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