Statt Impfpflicht

    Konzerte nur für Geimpfte?

    08:09 Minuten
    Konzertszene: Im Vorderung des Bildes sieht man viele dicht stehende Konzertbesucher, die ihre Hände in die Höhe heben. Im Hintergrund sieht man einen Sänger auf der Bühne, sein Auftritt wird von buten Scheinwerfern beleuchtet.
    Konzerte wieder wie vor Corona, ohne Abstandsregeln, wünscht sich Jens Michow – wenn nötig, auch nur für Geimpfte. © Unsplash.com / Pien Muller
    Jens Michow im Gespräch mit Axel Rahmlow · 26.07.2021
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    Einschränkungen für Ungeimpfte seien ab Herbst möglich, heißt es aus dem Kanzleramt. Wer sich nicht impfen lässt, müsse hinnehmen, zum Beispiel ein Konzert nicht besuchen zu dürfen, findet der Branchenvertreter Jens Michow. Und er ärgert sich über Nena.
    Die Zahl der täglichen Impfungen in Deutschland sinkt stark, gleichzeitig steigt die Inzidenz wieder. Nachdem Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) mögliche Einschränkungen im Herbst für Ungeimpfte angekündigt hat, betont die Bundesregierung nun auf allen möglichen Kanälen, dass es keine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben werde.
    In Großbritannien hat Premierminister Boris Johnson bereits angekündigt, dass ab September nur noch geimpfte Menschen Clubs oder große Konzerte besuchen dürfen. Ist eine solche Einschränkung auch eine Option für Deutschland?
    Konzerte müssten wirtschaftlich durchgeführt werden können, sagt der Jurist Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV): Wenn aus Pandemieschutzgründen aber Konzerte mit Getesteten nicht möglich seien, dann könnten Konzerte aber eben zumindest von Geimpften und von Genesenen besucht werden.

    Nicht ewig auf Impfverweigerer Rücksicht nehmen

    Um zum normalen Leben zurückzukehren, müsse man wenigstens denjenigen, die das Impfangebot des Staates annehmen, die Möglichkeit geben, Veranstaltungen wie Konzerte in Zukunft wieder ohne Abstandsregelungen zu nutzen. Die Politik müsse nun regeln, dass Veranstaltungen für Geimpfte und Genesene stattfinden können, fordert Michow.
    Es könnten nicht auf alle Zeiten wegen Impfverweigerern Restriktionen hingenommen werden. "Wir werden ja nicht mehr tun können, als alle Menschen, im besten Fall 100 Prozent unserer Bevölkerung, durchzuimpfen."
    Der Jurist hält es rechtlich durchaus für machbar, dass ein Veranstalter sich auf sein Hausrecht berufe und den Zutritt zu einer Veranstaltung abhängig vom Impfstatus mache: "Sofern es von den Ländern erlaubt ist, dass Veranstaltungen mit Geimpften durchgeführt werden dürfen."
    Er finde es "absolut zumutbar", dass man hier differenziere, sagt Michow. "Man gibt den Menschen das Impfangebot – und wenn sie das nicht wahrnehmen, dann muss man hinnehmen, dass der Staat sie davor schützt, dass sie selbst infiziert werden oder Infektionen weiter übertragen. Das haben wir auch in anderen Bereichen: Wer keinen Führerschein macht, der darf eben nicht Auto fahren."

    Kritik an Nena

    Dass die Sängerin Nena bei einem Open-Air-Konzert in Berlin ihre Fans ermutigt habe, Hygieneregeln zu ignorieren, ärgert den Präsidenten des BDKV: "Nena sollte sich im Klaren darüber sein, dass sie ihrer Branche einen Bärendienst erwiesen hat mit solchen Bemerkungen: Weil man, glaube ich, nichts Destruktiveres tun kann, als sich auf eine Bühne zu stellen und die Leute dazu anzuhalten, im Zweifel sich nicht an Hygienevorschriften zu halten."
    Nenas Aktion finde er völlig daneben und schädlich für den gesamten Kulturbetrieb, so Michow. "Ich hoffe, dass das nicht noch weitere Künstler kopieren. Dann darf sich keiner wundern, dass es noch länger dauern wird, bis wieder etwas gehen wird."
    (jfr)
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