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Lesart / Archiv | Beitrag vom 08.03.2019

Der Schriftsteller als Macho"Ich bin doch der Poet Meyer"

Moderation: Frank Meyer

Der Schriftsteller Clemens Meyer posiert in Berlin während der 65. Internationalen Filmfestspiele bei der Pressekonferenz für den Film "Als wir träumten" von Andreas Dresen; Aufnahme vom Januar 2015 (   picture alliance / dpa)
Der Schriftsteller Clemens Meyer posiert in Berlin während der 65. Internationalen Filmfestspiele bei der Pressekonferenz für den Film "Als wir träumten" von Andreas Dresen; Aufnahme vom Januar 2015 ( picture alliance / dpa)

Bier statt Latte Macchiato, zumindest symbolisch: Die Schriftsteller Clemens Meyer und Wolf Wondratschek verkörpern für manche geradezu den Prototyp des Macho-Schriftstellers. Zu Recht? Wir haben nachgefragt.

Was machen Machos eigentlich am Frauentag? Schlimmer noch: Machoschriftsteller. Als solche gelten sie jedenfalls: der Autor Clemens Meyer, Jahrgang 1977, in dessen Debütroman "Als wir träumten" eine Jungs-Clique in der Nachwendezeit saufend, prügelnd und Autos klauend durch Leipzig zieht. Und Wolf Wondratschek, Jahrgang 1943, der sich in den 1970er-Jahren gern als Bad Boy des Literaturbetriebs inszenierte und als "Berufsrebell" und "Hurendichter" gefeiert wurde.

Wolf Wondratschek (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)Wolf Wondratschek (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)

"Natürlich habe ich das bedient", räumt Wondratschek ein. "Kommen Sie unrasiert ins Studio, sagen Sie zweimal 'Ficken', dann sind wir zufrieden und dann überreichen wir Ihr Honorar." Aber Männerschriftsteller? Sei er nicht, sagt er und verweist etwa auf sein "Carmen"-Gedicht, das ganz aus der Frauenperspektive geschrieben sei.

"Und da sagt Carmen am Ende dieses Verses: 'Die Macht kennst du. Die Männer auch. Auch die Diktatur ihrer Herrschaft. Aber es ist, worunter du leidest, ihre Schwäche. Die Diktatur ihres Versagens und nicht die Diktatur ihrer Kraft. Im Traum sah ich dich weinen, wie du der Männer müde bist. Ich sah dich frieren vor Lust auf einen, der endlich stärker ist."

Clemens Meyer, deutscher Schriftsteller, aufgenommen am 31.03.2016 in Mainz  (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)Der Schriftsteller Clemens Meyer (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)

"Was soll das überhaupt sein, eine Männerliteratur?", fragt Clemens Meyer. "Man wollte ja eigentlich Poesie machen im besten Sinn, Literatur, und dass man natürlich dann in eine Medienmaschine reinfällt als damals 28-jähriger, 29-jähriger junger Mann, das hat man gar nicht so sehr bedacht. Und zack! War man irgendwo in einer Schublade drin und hat aber immer gedacht: Das bin ich doch gar nicht! Ich bin doch der Schriftsteller, der Poet Meyer!"

Natürlich habe er das eine oder andere gemacht, dass ihn diese Richtung bringe, räumt der Autor ein. "Weil man gar nicht damit gerechnet hatte, wie spießbürgerlich eigentlich dieser Literaturbetrieb ist. Ich dachte, das ist doch das Normalste der Welt, dass man so redet, wie einem die Schnauze gewachsen ist, und dass man mal ein Bier trinkt irgendwo. Es war aber nicht so." 

(uko)

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