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Neue Musik | Beitrag vom 10.11.2020

Der Komponist und Elektroniker Roland Kayn (1933-2011)Vom Klangaggregat zur kybernetischen Musik

Von Hubert Steins

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Ein Blick auf analoge Mischpulte im Elektronischen Studio in Utrecht (Stichting Film en Wetenschap (SFW) / Archiv Kees Tazelaar)
Seit 1970 arbeitete Roland Kayn im Elektronischen Studio des Instituts für Sonologie in Utrecht (Stichting Film en Wetenschap (SFW) / Archiv Kees Tazelaar)

Roland Kayn ist ein fast vergessener Exponent der Nachkriegsavantgarde. War er 1964 Gründungsmitglied des legendären Improvisationsensembles „Nuova Consonanza“, wendete er sich in den 70er Jahren ganz der elektronischen Musik zu.

Der 1933 in Reutlingen geborene und von 1970 bis zu seinem Tod 2011 in den Niederlanden ansässige Komponist war seit Mitte der Fünfzigerjahre mit seinen Instrumentalkompositionen für Orchester und große Ensembles auf allen wichtigen Podien und Foren der Neuen Musik präsent.

Schon während seines Studiums der Kirchenmusik in Stuttgart war Kayn durch den Arbeitskreis von Max Bense mit der Informationstheorie in Berührung gekommen. Nach einem Studium bei Boris Blacher in Berlin experimentierte er mit neuen Formen der zeitlichen Organisation. Typisch für seine Zeit dienten auch ihm die Theorien, Modelle und Termini aus der Informationstheorie, Physik und Mathematik als Referenz.

Kybernetische Musik

Kayn bezeichnete seine Werke ab Mitte der Sechzigerjahre als kybernetische Musik, denn seine Instrumentalkompositionen stellten immer auch der Frage, mit welchen Steuerungsmethoden Unbestimmtheit, Zufall und Improvisation auf befriedigende Weise in die Kompositionsprozess einbezogen werden können.

Erfahrungen und Fragestellungen auf diesem Gebiet resultierten zum Teil aus der eigenen Praxis, denn Kayn war 1964 gemeinsam mir also Aldo Clementi und Franco Evangelisti Gründungsmitglied des legendären Ensembles Nuova Consonanza.

Stücke enormer zeitlicher Ausdehnung

Ab den Siebzigerjahren setzte eine verstärkte Hinwendung zur elektronischen Musik ein, die bis zum Ende seines Lebens die Instrumentalkomposition fast vollständig ablöste.

Nach vereinzelten Produktionen in fast allen wichtigen Studios Europas entwickelte sich ab 1970 eine fast zwanzig Jahre andauernde Zusammenarbeit mit dem Institut für Sonologie in Utrecht.

Ein Blick auf die analogen Schaltfelder des Studios im Institut für Sonologie Utrecht (Stichting Film en Wetenschap (SFW) / Archiv Kees Tazelaar)Ein Blick auf die analogen Schaltfelder des Studios im Institut für Sonologie Utrecht (Stichting Film en Wetenschap (SFW) / Archiv Kees Tazelaar)

Dort produzierte Kayn eine große Zahl elektronischer Werke, darunter seine großdimensionierten Zyklen "Tektra" und "Scanning".

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