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Interview / Archiv | Beitrag vom 11.02.2019

Childish Gambino fehlt bei Grammy-VerleihungKein Kommentar statt Dankesrede

Falk Schacht im Gespräch mit Julius Stucke

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Childish Gambino live auf dem Lovebox Festival 2018 (imago stock&people/ Future Image International)
Childish Gambino war der Gewinner des Abends, glänzte bei den Grammys aber mit Abwesenheit. (imago stock&people/ Future Image International)

Mit "This Is America" wurde erstmals ein Rap als "Song des Jahres" ausgezeichnet, aber Childish Gambino kam nicht zur Grammy-Verleihung. Dass das Genre dort lange sträflich vernachlässigt wurde, könnte der Grund sein, so Musikjournalist Falk Schacht.

Er war der Gewinner des Abends, doch zur Preisverleihung tauchte er nicht auf. Der Rapper Childish Gambino wurde bei dem größten amerikanischen Musikpreis gleich mehrfach für seinen politischen Song "This Is America" ausgezeichnet, unter anderem mit dem begehrten Hauptpreis "Song des Jahres".

Dass er der Show kommentarlos fernblieb, werteten viele als politisches Statement. "Das ist, glaube ich, die negativste Seite, die man einem Preis zeigen kann. Wenn man sich nicht einmal so sehr dafür interessiert, dass man ihn richtig ablehnt", erklärt Musikjournalist und Hip-Hop-Musiker Falk Schacht.

Nicht nur der Preisträger selbst, auch auch Beyoncé und Jay-Z, Taylor Swift und Kendrick Lamar blieben der Gala fern. Das Verhältnis zwischen den Grammy-Veranstaltern und der Hip-Hop-Szene ist schon seit Jahren schwierig, erklärt Falk Schacht. Alles habe damit angefangen, dass Will Smith aka "Fresh Prince" 1989 als erster Rapper einen Grammy erhalten sollte – in der Werbepause.

"Man hat gesagt: Okay, wir verleihen den, wenn die Fernsehkameras nicht laufen. Also wenn Werbung ist. Und dementsprechend hat sich die Hip-Hop-Szene in Form von Will Smith nicht sonderlich respektiert gefühlt und hat gesagt: Gut dann boykottieren wir das."

Diversitätsproblem bei den Grammys

Auch andere Hip-Hop-Musiker fühlten sich in den vergangenen Jahren bei den Preisverleihungen ungerecht behandelt. Inzwischen sei man sich bei den Grammys bewusst, dass man ein Diversitätsproblem habe und versuche aktiv etwas dagegen zu unternehmen, sagt Falk Schacht.

"Hip-Hop und Rap ist die größte Kultur, die weltweit gerade stattfindet im Musiksektor. Und natürlich möchte man sich, wenn man der größte amerikanische Musikpreis ist, damit schmücken."

Abwesenheit als Statement

Childish Gambino habe offensichtlich keine Lust gehabt habe, sich von den Grammys instrumentalisieren zu lassen, sagt Schacht. "Wenn man aber über Jahre hinweg dieses Genre sträflich behandelt hat, dann muss man sich nicht wundern, wenn das zurück kommt."

Gambinos Fernbleiben habe die Botschaft vermittelt: "Ihr habt uns von Anfang an nicht gewollt, dann wollen wir euch jetzt auch nicht."

(mw)

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