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Lesart / Archiv | Beitrag vom 30.01.2019

Carolin Würfel über Ingrid WienerEine rebellische Künstlerin

Carolin Würfel im Gespräch mit Frank Meyer

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Ingrid Wiener, geborene Schuppan, trägt 1968 ein Schmuckstück von Ernst Graf. (dpa/picture-alliance)
Ingrid Wiener, geborene Schuppan, im Jahr 1968: Die Journalistin Carolin Würfel hat ein Buch über die Künstlerin geschrieben. (dpa/picture-alliance)

Ob in der Kunst oder der Liebe, Ingrid Wiener war schon immer eigensinnig. Als Jugendliche wollte sie von einem Zuhälter lernen, wie man guten Sex hat. Später schloss sie sich einer Künstlergruppe an, die mit provokanten Aktionen für Skandale sorgte.

Freiheitsliebend war Ingrid Wiener von Anfang an. Als Jugendliche streifte sie durch die Straßen Wiens, erkundete dunkle Kaffeehäuser und Bars. Und nachdem ihr der Sex mit ihrem ersten Freund nicht gefiel, beschloss sie kurzerhand Nachhilfe bei einem Zuhälter nehmen, erzählt Carolin Würfel. Die Journalistin hat die 1942 geborene Künstlerin getroffen und das Buch "Ingrid Wiener und die Kunst der Befreiung" geschrieben. 

Porträt von Ingrid Wiener. (Oswald Wiener)Ingrid Wiener heute: Seit 1969 lebt sie in Berlin. (Oswald Wiener)

"Sie hat in ihrem Leben wahnsinnig viel ausprobiert, hat in vielen Ländern gelebt, hat viele Männer geliebt", erzählt Carolin Würfel.

Einer dieser Männer war ihr späterer Ehemann Oswald Wiener. Der Schriftsteller gehörte zu den experimentellen Künstlern der "Wiener Gruppe". Auch Ingrid Wiener beteiligte sich an den Kunst-Aktionen.

Eine Schweinerei als Kunst-Aktion

Manche waren eher albern, doch bei der sogenannten "Uni-Ferkelei" in der Wiener Universität entblößten sich Oswald Wiener und andere Künstler nicht nur, sondern verrichteten dort auch ihre Notdurft und masturbierten, während sie die österreichische Nationalhymne sangen. Das hatte Konsequenzen, erzählt Carolin Würfel:

"Der österreichische Staat und die Wiener Polizei hatten keine Lust mehr auf die Unruhestifter und immer wieder versucht, ihnen etwas anzuhängen. Und da haben Oswald und Ingrid beschlossen, nach Westberlin auszuwandern."

Künstlerisches Exil in Berlin

In einem klapprigen Auto mit zwei Koffern im Gepäck reisten die beiden 1969 nach Berlin. Sie gründeten das Künstlerlokal "Exil", das zum Zentrum der West-Berliner Avantgarde wurde. Künstler wie Joseph Beuys, Max Frisch und David Bowie gingen hier ein und aus. Neben ihrer Arbeit als Köchin arbeitete Wiener auch als Web-Künstlerin und schuf Gobelins und Teppiche.

(mw)

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