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Nachspiel | Beitrag vom 13.09.2020

CalisthenicsTraining mit dem eigenen Körpergewicht

Von Anja Schrum

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Ein junger Mann macht einen Handstand auf einem Klettergerüst. (picture alliance / PIXSELL / Goran Jakus)
In vielen Städten gibt es Trimm-Dich-Pfade – jetzt erobert der Fitnesssport Calisthenics die Parks. (Symbolbild) (picture alliance / PIXSELL / Goran Jakus)

Calisthenics liegt im Trend: Das Training mit dem eigenen Körpergewicht baut nicht nur am ganzen Körper Muskeln auf, sondern ist auch gesellig. Eine gute Alternative zum Fitnessstudio, wie manche finden.

Alte Bäume beschatten den "Street Workout Park" gleich neben dem Berliner Poststadion. An verschieden hohen Metallstangen, Schrägbänken und Barren trainieren rund 20 junge Männer und ein paar Frauen. Auch Juri ist mit seinen Kumpels hier. Der 26-Jährige mit eckiger Brille und freiem Oberkörper greift nach einer der Klimmzugstangen.

"Ich kann mich hier hinhängen und ich kann meine Beine einfach hängen lassen oder ich mach so: Dann bin ich jetzt komplett angespannt und dann mach ich meine Übung."

Juri streckt Beine und Füße aus, zieht seinen gesamten Körper langsam nach oben. Wenn er den Klimmzug so ausführt, trainiert er nicht nur Oberarm-, Schulter- und Rückenmuskulatur, sondern auch den Bauch: "Das ist jetzt über den ganzen Körper hinweg – während man im Fitnessstudio sowas sieht: Unten ist alles locker und ich mach dann halt nur oben. Das macht nicht jeder, aber viele."

Übungen für den ganzen Körper

Calisthenics heißt die Sportart, die vor allem mit dem eigenen Körpergewicht arbeitet. Eine der spektakulärsten Übungen heißt "Human Flag". Dabei schwebt der Körper waagerecht in der Luft – wie eine Flagge – während man sich mit den Händen an einer Sprossenwand oder einem Geländer festhält.

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"Die meisten Übungen, die beanspruchen den ganzen Körper, man hat eher weniger Isolationsübungen, wo man einzelne Muskelgruppen beansprucht und man muss halt die Statik halten, sprich: Man hat auch den Bauch bei fast jeder Übung dabei."

Das sieht man. Juri sieht kräftig aus, sehnig, ohne die aufgeblasenen Oberarme oder Oberschenkel an denen man Bodybuilder sofort erkennt.

"Calisthenics ist unter anderem – meiner Meinung nach – eine der Sportarten, wo man halt den Körper – ich sag mal – am ästhetischsten aufbaut, von der Optik her – und ich kenn jetzt keinen, dem das nicht gefallen würde."

Vielseitiges Training

Gleich neben Juri balanciert Max barfuß quer auf einer niedrigen Metallstange. Das schult das Gleichgewicht, sagt er: "Gleichgewicht und Balance und besonders auch die kleinen Muskeln, die Stützmuskulatur – und es macht vor allen Dingen Spaß!"

Max war früher Leistungssportler, Mittelstrecke. Morgens Schule, nachmittags stundenlanges Training. Mit fast 20 dann Ermüdungsbruch in beiden Beinen.

"Dann habe ich halt geschaut: Was gibt es mehr, woran liegt es, dass ich mich verletze und dann habe ich festgestellt, dass mir die Beweglichkeit fehlt und habe dann geschaut, was kann ich machen, was im Prinzip den ganzen Körper fordert und sehr vielseitig ist. Dann bin ich auf Calisthenics gestoßen."

Körpergefühl steht im Vordergrund

Klassisches Fitnesstraining im Studio findet Max eher blöd. Es sei zwar immer noch besser als keine Bewegung, sagt er. Aber bei Fitness gehe es mehr um Optik und weniger um Körpergefühl. "Movement Culture" nennt der 23-Jährige das, was er hier macht.

"Und wo dann nicht irgendwie das Idealbild des Mannes 'muskulös und kräftig' oder das Idealbild der Frau mit 'sehr dünn und fast schon knochig' dargestellt wird, sondern wo die Bewegung, die Bewegungsausführung, auch die Sportdisziplin im Vordergrund steht."

Ins Fitnessstudio zieht es keinen der Jungs, die hier zusammen trainieren. Calisthenics, das ist ein Trend, der im Kommen ist, sagen sie.

"Was ich noch cool finde – im Vergleich zum Studio – ist: Hier ist vielmehr so das Community-Feeling, das fängt schon damit an: Man sagt sich Hallo, wenn man hierher kommt."

"In der Gruppe zu trainieren ist viel geiler. Und wenn die Sonne scheint – im Fitnessstudio regt man sich über die Sonne auf, weil es zu heiß wird, hier freut man sich über die Sonne."

Und wenn es jetzt langsam kälter wird? Juri schmunzelt: "Dann zieht man sich halt wärmer an und nach dem Training wirft man sich halt auch gern mal oberkörperfrei in den Schnee."

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