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Lesart / Archiv | Beitrag vom 12.11.2016

Buchautor Asfa-Wossen Asserate"Afrikanische Gewaltherrscher sind die Exporteure von Migration"

Asfa-Wossen Asserate

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Der äthiopisch-deutsche Publizist Asfa-Wossen Asserate. (imago / Rüdiger Wölk)
Der äthiopisch-deutsche Publizist Asfa-Wossen Asserate. (imago / Rüdiger Wölk)

Von Europa unterstützte Diktatoren seien die Hauptursache für die millionenfache Migration der afrikanischen Jugend, sagt der äthiopisch-deutsche Publizist Asfa-Wossen Asserate, der aktuell ein Buch zu dem Thema veröffentlicht hat. Er kritisiert 40 Jahre verfehlter Afrika-Politik und fordert einen europäisch abgestimmten neuen Ansatz.

4,4 Millionen Menschen waren 2015  laut UNHCR in ganz Afrika auf der Flucht. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen um 20 Prozent gestiegen.

Asfa-Wossen Asserate ist Unternehmensberater für Afrika, Buchautor und politische Analyst. Von ihm ist aktuell das Buch "Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten" erschienen. Im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur fordert er eine neue gemeinsame europäische Afrika-Politik.

40 Jahre verfehlte Afrika-Politik

"Ich fordere das Ende der Afrika-Politik, wie Europa das in den letzten 40 Jahren durchgeführt hat", sagte Asfa-Wossen Asserate im Deutschlandradio Kultur. Statt weiter Diktatoren zu unterstützen und sich gegeneinander ausspielen zu lassen, bräuchten die europäischen Staaten endlich eine gemeinsame neue Afrika-Politik.

Insbesondere gelte es, eine postulierte Nicht-Einmischungspolitik aufzugeben, die faktisch längst ad absurdum geführt sei: "Allein durch die Hilfe, die man diesen afrikanischen Diktatoren schon seit über 40 Jahren zukommen lässt, hat Europa natürlich immer wieder in Afrika eingegriffen."

Angesichts von Millionen junger Afrikaner, die sich bereits aus dem Süden, Westen und Osten Afrikas in den Norden des Kontinents aufgemacht hätten, "um irgendwann diese lächerlichen 60 Kilometer" bis nach Europa zu überwinden, müssten die europäischen Länder endlich zu einer gemeinsamen Afrika-Politik zusammenfinden, sagte der Unternehmensberater für Afrika, Buchautor und politische Analyst, der Mitte der 1970er-Jahre als politisch Verfolgter nach Deutschland kam, um Asyl zu beantragen.  

Bevor Europa nicht begriffen habe, dass die afrikanischen Diktatoren und despotische Gewaltherrscher "diejenigen sind, die wirklich das größte Problem der Migration darstellen, (…) werden die Afrikaner weiter mit den Füßen abstimmen und in Hundertausenden und Millionenfach nach Europa kommen." Zahlreiche Gespräche auf seinen Reisen in afrikanischen Ländern, in Flüchtlingslagern aber auch Universitäten und Schulen, hätten ihm vermittelt, dass die afrikanische Jugend aktuell ihre einzige Perspektive in Europa sehe.

Neue abgestimmte europäische Afrika-Politik

"So müssen wir uns fragen, wer sind die größten Exporteure von Migration in dieser Welt? Und die Antwort darauf ist, afrikanische Gewaltherrscher, die  ihrem eigenen Volk nicht die Möglichkeit geben, in ihren eigenen Ländern nicht ein reiches, aber ein menschenwürdiges Dasein zu führen," analysierte Asserate.

Eine neue Afrika-Politik müsse vor allem zwischen allen europäischen Ländern abgestimmt sein: "Denn es hat keinen Sinn, wenn die Bundesrepublik sagt, mit diesem oder jenem afrikanischen Land werde ich keine diplomatischen Beziehungen eingehen oder keine Entwicklungshilfe geben, dann kann ich ihnen garantieren, dass morgen Frankreich kommen würde und gerade mit diesem Land beste Geschäfte mit diesem Land für einige Jahre machen würde."   

Ansonsten könnten Diktatoren weiter agieren, so wie sie bisher "brillianterweise den einen europäische Staat gegen den anderen ausgespielt haben" und damit weiter die größten Exporteure von Migration bleiben.

Asfa-Wossen Asserate: Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten
Propyläen Verlag, Berlin 2016
200 Seiten, 20 Euro
auch als ebook

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