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Breitband | Beitrag vom 14.09.2019

Breitband SendungsüberblickOhne Empörung geht es nicht mehr

Philip Banse im Gespräch mit Christiane Frohmann, Carolin Wiedemann und Harald Welzer

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(Jean Wimmerlin/Unsplash)
Sich empören und nicht mehr zuhören, das zeichnet mittlerweile oft Debatten aus. (Jean Wimmerlin/Unsplash)

Es wird viel debattiert heutzutage. Im Internet wurden ganze Bewegungen losgetreten. Doch manch einer fühlt sich über den Mund gefahren. Über die Streitkultur im Netz und die Frage, wie sie sich entwickeln sollte.

In den sozialen Medien kocht und brodelt es, viele Debatten werden sehr konfrontativ ausgetragen und gefühlt jeden Tag kommen Themen hinzu, die neue Streitigkeiten auslösen. Oft entwickeln sich aus den Schneebällen einzelner Vorfälle riesige Lawinen, die komplette Diskurse übernehmen und zu tatsächlichen Änderungen führen kann.

Der Diskurs hat sich geändert

Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist die #metoo-Bewegung, die sexuelle Übergriffe thematisierte und dadurch viele Männer in Machtpositionen zu Fall brachte. Die Unterhaltung über die Behandlung von Frauen ist seitdem ein viel prominenterer Teil des gesellschaftlichen Diskurses.

Gleichzeitig haben auch Unternehmen die Macht der Empörung für sich entdeckt. Sei es ein Smoothiehersteller, der für mehr Aufmerksamkeit einen Shitstorm produziert, die Zeitung, die eine eigene Beilage mit provozierenden Interviews bewirbt, oder die Kleidungsfirma, die einen von Linken geliebten und von Rechten gehassten Footballer als neues Gesicht für eine Kampagne an Bord holt.

Wird das Sprechen verboten

Rund um diese Wellen der Empörung haben sich auch Debatten über sogenannte Sprachverbote entwickelt. Es gibt Forderungen, bestimmte Positionen gar nicht mehr zu diskutieren und Leute, die diese vertreten, aus sozialen Zirkeln auszuschließen. Die davon Betroffenen sprechen daraufhin gerne von einer "Meinungsdiktatur" und "Sprechverboten", weil ihrer Meinung nach alle Themen zur Debatte stehen sollten und sie sich durch diese Ausgrenzung eingeschränkt fühlen.

Dieser Empörung und ihren Auswirkungen widmen wir unsere ganze Sendung. Philip Banse führt durch ein Gespräch über Mechanismen, diskursive Dynamiken und ihre gesellschaftlichen Dimensionen.

Die Gäste:

Christiane Frohmann: Verlegerin und Publizistin, Gründerin des Frohmann-Verlags. Über den Kunstfiguren-Account @PGexplaining erklärt Frohmann auf humoristische Weise Internetdebatten und das so erfolgreich, dass es das Ganze inzwischen auch in Buchform gibt.

Carolin Wiedemann: Soziologin und freie Journalistin. Wiedemann hat über Kritische Kollektivität im Netz promoviert und schreibt momentan an einem Buch über Antifeminismus und die Überwindung des Patriarchats.

Harald Welzer: Soziologe und Direktor von FUTURZWEI. Stiftung Zukunftsfähigkeit. Mitglied im Rat für digitale Ökologie. Welzer hält sich zwar von Social Media fern, nimmt aber publizistisch oft an aktuellen Debatten teil. In seinen Augen ist Identitätspolitik anti-aufklärerisch.

(hte)

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