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Lesart | Beitrag vom 29.07.2020

Beka Adamaschwili: "In diesem Buch stirbt jeder"Aufstand der Romanfiguren

Von Gerrit Bartels

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Buchcover zu Beka Adamaschwili: "In diesem Buch stirbt jeder" (Voland & Quist)
Ein durchgängiges Vergnügen: "In diesem Buch stirbt jeder" von Beka Adamaschwili. (Voland & Quist)

Fiktionen proben den Aufstand gegen ihre Erfinder und begeben sich auf eine Reise durch die Weltliteratur. Beka Adamaschwilis Roman ist vielleicht eine literarische Klamotte ohne tieferen Sinn, aber Literatur darf auch einfach nur Spaß machen.

Der Spaß mit diesem Roman beginnt schon bei der Widmung. Der georgische Autor Beka Adamaschwili hat ihn nämlich für alle Leser geschrieben, "die gerne Bücher auf Facebook, Instagram oder Twitter empfehlen. Macht weiter so." Er ergänzt seine Widmung auf der folgenden Seite mit einer weiteren: "Ebenso allen Pedanten gewidmet, die gedacht haben, dass in der vorhergehenden Widmung Hashtags gefehlt haben."

Und dieser Spaß geht gleich weiter mit einem Prolog, in dem sich die erste Hauptfigur vorstellt. Es ist der Tod, der nicht schlafen kann. Doch damit nicht genug: An diesen Prolog schließt sich "noch ein Prolog", in dem eine weitere Figur eingeführt wird. Die wirkt etwas lebendiger, heißt sie doch Memento Mori, was aus dem Lateinischen übersetzt so viel bedeutet wie sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu sein.

Romanfiguren proben Aufstand gegen ihren Erfinder

Solcherart eingeführt, ahnt man, dass dieser Roman mit seinem vielsagenden Titel "In diesem Buch stirbt jeder" und nicht zuletzt sein Autor sich nicht über die Maßen ernst nehmen. Adamaschwili will hier alles andere als eine mitten aus dem Leben gegriffene Geschichte erzählen, sondern eine metafiktionale, eine Literaturliteraturgeschichte, in der Romanfiguren den Aufstand gegen ihre Erfinder proben: "Der Autor ist tot", weiß Memento Mori. "Derjenige, der das gesagt hat, ist ebenfalls tot. Es lebe die neue Romanfigur!"

Neben dem Tod und Memento Mori gibt es ein paar weitere Figuren, Professor Arno, Matthäus und Lea, die allerdings ebenfalls nicht unbedingt ein Eigenleben führen. Sie begeben sich unter dem Einfluss von H.G. Wells zusammen mit Memento Mori auf eine Zeitreise durch die Weltliteratur und führen dabei unter anderem ein Buch mit dem Titel "Bestseller" mit sich. Dieser Roman stammt ebenfalls aus der Feder von Adamaschwili.

Damit sorgte der 30 Jahre alte Georgier nicht nur für Aufsehen in seiner Heimat, sondern auch vor zwei Jahren in Frankfurt am Main, als Georgien das Gastland der Frankfurter Buchmesse war, unter anderem weil darin Kafka in einer sogenannten Literatenhölle nicht in einen Käfer, sondern einen Beatle verwandelt wird. Als satirischen, parodistischen, kriminalistischen und fantastischen Roman über die Literatenhölle beschreibt in "In diesem Buch stirbt jeder" Lea Beka Adamaschwilis 2014 veröffentlichtes Debüt; als einen Roman "in der bekannte und unbekannte Schriftsteller ebenso gequält werden, wie ihre Bücher die Leser gequält haben."

Einfach nur Klamauk?

Im Grunde hat Adamaschwili nun seinen "Bestseller" fortgeschrieben. Nur ist die Literatenhölle keine solche mehr, die Schauplätze sind jetzt literarischer Natur. Munter geht es von Shakespeares "Hamlet", wo Adamaschwilis Figuren mitspielen über Cervantes "Don Quichotte" zu Becketts "Warten auf Godot", vom Planeten Kyliejenn (benannt nach der US-amerikanischen Unternehmerin und Reality-TV-Star Kylie Jenner) über Gabriel García Marquez Macondo bis zum Wunderland von Alice. Auch Hemingway und Virginia Woolf tauchen auf, (Selbstmorde!), und Mona Lisa wird endlich mal wieder zu einer Frau, die aus dem Rahmen steigt, eine Geschichte bekommt und damit unsterblich wird.

Unsterblich? Wirklich? In diesem Buch? Egal. Tatsächlich stellt sich bei der Lektüre hin und wieder die Frage: Was soll das denn jetzt? Ist dieser Roman nicht einfach nur Klamauk? Eine literarische Klamotte, die jeglichen auch nur oberflächlicheren Sinns entbehrt? Trotzdem: Es ist ein durchgängiges Vergnügen "In diesem Buch stirbt jeder" zu lesen. Literatur muss ja nicht immer gleich Erkenntnisse liefern, sondern darf bisweilen einfach nur Spaß machen. Insofern gibt es demnächst auch eine Empfehlung bei Instagram, Twitter und Co. Gerrit Bartels

Beka Adamaschwili: "In diesem Buch stirbt jeder"
Aus dem Georgischen von Sybilla Heinze
Verlag Voland & Quist, Berlin Dresden Leipzig 2020
199 Seiten, 18 Euro

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