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Lesart / Archiv | Beitrag vom 20.11.2020

Autorinnen und Autoren als Selbstverleger"Wir genießen die kreative Freiheit"

Von Franziska Walser

Illustration: eine Frau entspannt sich in einem aufgeschlagenen Buch. (Imago/Ikon Images/Alice Mollon)
Wer seine Bücher selbst pupliziert, hat alle Freiheiten. Immerhin sieben Prozent der Autorinnen und Autoren verdienen nach einer Umfrage damit mehr als 2000 Euro im Monat. (Imago/Ikon Images/Alice Mollon)

Von den Feuilletons hartnäckig ignoriert, wächst und gedeiht die Szene der Autorinnen, die ohne Verlag publizieren. Ein kleiner Prozentsatz der "Selfpublisher" kann von Bücherverkäufen auch leben - für die besonders Renommierten gibt es einen eigenen Buchpreis.

Wer schreibt und gelesen werden will, der hat heute zwei Möglichkeiten. Erstens, das Buch an einen Verlag schicken und sehr viel Glück haben. Die Chance, dass ein unverlangt eingesandtes Manuskript veröffentlicht wird, liegt bei um die zwei Prozent. 

Oder zweitens: Einfach das Manuskript samt Cover bei einem E-Book-Anbieter hochladen, den Preis selbst festlegen. Und schon ist das Buch verfügbar - sogar als "echtes" gedrucktes Buch. Print-On-Demand macht es möglich.

"Gedruckte Bücher sind überhaupt kein Problem", sagt Jeanette Lagall. Sie veröffentlicht ihre Bücher – vor allem Fantasy- und Historienromane - seit 2015 im Selbstverlag. Und sie ist Geschäftsführerin des Selfpublisher-Verbandes. Der Verband ist Sprachrohr und Netzwerk der wachsenden Selfpublishing-Szene - mit rund 800 Mitgliedern.

Die Zahl der Selbstverlegerinnen und Selbstverleger dürfte aber deutlich höher liegen: An der Branchenumfrage, die jedes Jahr auf der Website selfpublisherbibel.de veröffentlicht wird, haben 2020 knapp 2000 Autorinnen und Autoren teilgenommen.

"Marketing ist ein Riesenthema"

Wer selbst verlegt, hat alle Freiheiten – sei es Cover, Preis, Veröffentlichungstermin oder Grammatik. Niemand redet einem rein, wenn man das nicht möchte. Diese Freiheit bedeutet aber auch: Es fallen viele Aufgaben an, die sonst der Verlag übernimmt. "Zum Beispiel Marketing ist ein Riesenthema, denn Selfpublisher müssen ihre Bücher ja selbst vermarkten und an den Mann, an die Frau bringen."

Der Selfpublisher-Verband unterstützt die Autorinnen und Autoren hier mit Informationen und Fortbildungen, denn der Markt wächst und mit ihm die Möglichkeiten. Generell gilt fürs Selfpublishing: Die Buchpreise sind niedriger, die Margen aber deutlich höher als im konventionellen Buchmarkt.

"Wenn ich zum Beispiel ein Buch für 3,99 Euro reinsetze. Also 3,99 Euro ist jetzt der Bruttopreis. Dann verdiene ich an diesem Buch noch 2,58 Euro."

Das klingt nach Kleinbeträgen, läppert sich aber schnell. In der Selfpublishing-Umfrage 2020 geben immerhin sieben Prozent der Befragten an, dass sie mit ihren Büchern pro Monat über 2000 Euro verdienen. Demgegenüber stehen 50 Prozent, die pro Monat maximal 50 Euro verdienen.

Christian Milkus, Pressesprecher der Selfpublishing-Plattform Epubli https://www.epubli.de/ beobachtet zunehmend ein Auseinanderdriften innerhalb der Selfpublishing-Szene:

"Ich würde lügen, wenn ich sage, alle werden professioneller. Klar, es gibt immer noch viele, die machen das einfach nur als Hobby. Aber auf der anderen Seite gibt es dann die Autorinnen und Autoren, die wirklich etabliert sind. Die genau wissen, wie es funktioniert. Die haben schon quasi ihr eigenes Team – also Lektorat, Covergestaltung. Und es gibt wirklich schon viele, die davon auch wirklich leben können."

Romance, Erotik, Fantasy, Krimis oder Science Fiction

Und noch etwas zeigt die Umfrage innerhalb der Szene: Das Geld wird mit Genre-Literatur gemacht - Romance, Erotik, Fantasy, Krimis oder Science Fiction.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Selfpublisher immer noch mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Anders als zum Beispiel in Amerika, haben es selbstverlegte Bücher in Deutschland schwer in den Feuilletons und Buchhandlungen, sagen Jeanette Lagall und Christian Milkus:

"Also die Zeitungen und Feuilletonteile sträuben sich im Moment noch gegen Selfpublisher, weil dort halt wirklich noch in den Köpfen ist: Die können alle nichts, und das ist keine Literatur in dem Sinne."

"Ich würde sagen, das ist einfach ein Prozess, der noch eine Weile braucht. Früher war Selfpublishing auf jeden Fall noch sehr verschrien. Inzwischen machen viele Selfpublishing, die locker auch in einem Verlag veröffentlichen können und die teilweise auch von Verlagen kommen, aber sagen: Wir möchten es nicht mehr über einen Verlag machen. Wir genießen die kreative Freiheit."

Wer weiß, vielleicht geht der Deutsche Buchpreis 2030 an ein Buch aus einem Selfpuplishing-Verlag. Bis dahin vergibt die Branche ihre eigenen Preise, zum Beispiel am Wochenende den Selfpublishing-Buchpreis

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