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Studio 9 | Beitrag vom 02.06.2015

Auto der Zukunft Milliardenpoker um Kartendienst "Here"

Von Phillip Banse

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Ein Auto mit Kamera auf dem Dach fährt für den digitalen Kartendienst HERE durch Berlin, um Daten zu sammeln. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Ein Auto mit Kamera auf dem Dach fährt für den digitalen Kartendienst HERE durch Berlin, um Daten zu sammeln. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Digitale Kartendienste liefern nicht nur Wegepläne und Kartenausschnitte, sondern auch Meldungen über aktuelle Verkehrslage. Außerdem sind sie wichtig, um den Traum vom autonomen Auto zu verwirklichen. Wohl deshalb sind deutsche Autobauer beim Bieterwettkampf um Nokias "Here" mit Riesensummen dabei.

Digitale Kartendienste liefern heute weit mehr als nur den aktuellen Standort und den besten Weg ans Ziel. Sie finden das "Berliner Finanzamt für Körperschaften II", indem man nur diesen Namen eingibt, ohne Adresse. Kartendienste kennen die aktuellen Standorte von Tankstellen, Restaurants, Geschäften und Finanzämter - weltweit in allen Ländern.

Moderne Kartendienste liefern zudem sekundengenaue Informationen über die aktuelle Verkehrslage. Dazu müssen sie in Echtzeit Milliarden Sensordaten verarbeiten von Mobiltelefonen, Autos, LKW: Standort, Geschwindigkeit, Bewegungsrichtung. Weltweit. So können gute Kartendienste Staus, Baustellen und freie Straßen sofort erkennen, sogar vorhersagen.

Außerdem werden gute Kartendienste immer genauer. Nokia und Google lassen Autos durch die Städte fahren mit 3D-Scannern auf dem Dach. So erstellen die Firmen für ihre Kartendienste zentimetergenaue 3D-Modelle unserer Städte - mit Straßenschildern, Schranken und Bürgersteigen.

Kartendienste sind kostenintensiv

Wer solche Kartendienste anbieten will, braucht sehr viel Daten, sehr kluge Menschen, die Software schreiben, die diese Daten sammelt, verarbeitet und darstellt. Und all das kostet sehr viel Geld. Daher gibt es nur drei, vier Firmen, die konkurrenzfähige Karten im Angebot haben, darunter Apple, Google und Nokia.

Nokia will seinen Kartendienst "Here" verkaufen, um sich auf den Bau großer Datennetze zu konzentrieren. Um "Here" ist daher ein heißer Bieterwettkampf entstanden. Denn so eine Perle kommt nicht oft auf den Markt.

Finanzinvestoren bieten mit, eine chinesische Suchmaschine. Der US-Fahrdienst Uber hat drei Milliarden Dollar geboten. Denn der aggressive Fahrten-Vermittler sieht die Zukunft des motorisierten Verkehrs im autonomen Fahren: Autos fahren also selbstständig, ohne Fahrer. Damit das klappt, braucht es eine ganze Menge, vor allem extrem genaue und aktuelle Karten.

Auf dem Weg zum autonomen Auto

Außerdem dürfte das Auto sich zum digitalen Hub entwickeln, zu einem Smartphone auf Rädern mit Internetzugang, Apps und Kommunikation. Dafür werden Autos ein Betriebssystem brauchen, dass Menschen lieben und so leicht bedienen können wie ein Smartphone.

Herzstück eines solchen Auto-Betriebssystems ist ein herausragender Kartendienst. Apple und Google haben solche Betriebssysteme - wollen aber wohl selbst autonome Autos bauen. Deswegen will der US-Fahrdienst Uber lieber Nokias "Here" kaufen. Deswegen ist auch ein deutsches Konsortium aus Daimler, BMW und Audi bereit, Milliarden für den Kartendienst von Nokia auszugeben.

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