Ausstellung "Offener Prozess"

    Widerstand in der NSU-Täterstadt

    10:18 Minuten
    Filmstill aus dem Kurzfilm "Sorge 87" von Thanh Nguyen Phuong (2017/2018). Es zeigt eine Zeichnung einer Nähmaschine. Darunter steht: Beim Nähen in der Textilfabrik war ich richtig gut. Ich war die Beste in der Fabrik.
    Ausgangspunkt für die Schau "Offener Prozess" seien nicht die Täter und ihre Taten, sondern die Realität der Migrationsgeschichte der Vertrags- und Gastarbeiterinnen, so die Kuratorin. © Filmstill: Sorge 87, Kurzfilm von Thanh Nguyen Phuong (2017/2018)
    Ayşe Güleç im Gespräch mit Christine Watty · 29.09.2021
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    Mit der Ausstellung "Offener Prozess" soll an die Geschichte des NSU erinnert werden. Ausgangspunkt sind dabei nicht die Taten, sondern das Leben der Opfer. Gefragt wird aber auch danach, was die Bedingungen für den Rechtsterrorismus waren und sind.
    Von 1998 bis 2000 lebten Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die sich NSU nannten, in Chemnitz. Nun eröffnet dort die Ausstellung "Offener Prozess". Die Initiatorinnen versuchen, über verschiedene Formen von Kultur, Bildung, Diskurs dafür zu sorgen, dass das Thema nicht ad acta gelegt wird. In der Ausstellung sind auch Werke von großes Namen wie Hito Steyerl, Harun Farocki und Forensic Architecture vertreten.

    Grundlage für NSU

    Eine der beiden Kuratorinnen ist Ayşe Güleç. Ihr ist es wichtig, dass die Ausstellung in Chemnitz gezeigt wird. Denn dort haben die Taten des NSU angefangen und wurden Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos nicht wahrgenommen. In dieser sogenannten Täterstadt würden nun auch andere Geschichten – von Widerstand, von Solidarität und auch von den Betroffenen – erzählt.
    Außerdem solle mit der Ausstellung gezeigt werden, "dass die Taten in einem diskursiven und institutionellen Klima passierten". Es habe eine Grundlage dafür gegeben, "dass der NSU passieren konnte", unterstreicht Güleç.

    Lange Geschichte rassistischer Gewalt

    Ihr Interesse, die Ausstellung zu machen, beschreibt die Kuratorin mit der Frage: "Wie kann man den NSU als einen Knotenpunkt in einer langen Geschichte von rassistischer Gewalt in postkolonialen und postfaschistischen Verhältnissen in West-, aber auch Ostdeutschland erzählen?"
    Ausgangspunkt für die Schau, die bereits in Jena gezeigt wurde, seien dabei nicht die Täter und ihre Taten, sondern die Realität der Migrationsgeschichte der Vertrags- und Gastarbeiterinnen. Zudem versteht Güleç die Ausstellung, in der viele filmische Werke gezeigt werden, auch als Form des Umgangs mit der Vergangenheit, "die wichtig ist, um unsere Gegenwart zu verstehen, aber auch, damit wir eine andere Zukunft imaginieren können".
    (rzr)

    Die Ausstellung "Offener Prozess" ist vom 29. September bis 7. November in der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz sowie vom 2. Oktober bis 12. Dezember im Gorki-Theater in Berlin zu sehen.

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