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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 25.10.2015

Aus den FeuilletonsMit Smileys gegen Propaganda

Von Tobias Wenzel

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Schüler im chinesischen Xingtai zeigen ihre gemalten Smileys. (imago / Xinhua)
Schüler im chinesischen Xingtai zeigen ihre gemalten Smileys- manchen jungen Usern scheint ein gähnendes Gesicht für Regierungskommentare angemessen. (imago / Xinhua)

Twitter und Facebook sind in China gesperrt. Nun soll die Regierung auch noch Blogger engagiert haben, um positive Einträge in sozialen Netzwerken des Landes zu posten. Die Nutzer kommentierten das mit einem neuen Smiley, berichtet die "TAZ".

"Die Welt hat ihre schönste Farbe verloren", schreibt Willi Winkler in seinem Nachruf auf Maureen O’Hara für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Die rothaarige irisch-amerikanische Filmschauspielerin ist am Samstag im Bundesstaat Idaho mit 95 Jahren gestorben.

"Sie kämpfte zu Pferd und zu Schiff, mit der Peitsche und dem Degen, mit ihrem losen Mundwerk und diesen unvergleichlich grünen Augen, ein Film bunter und bombastischer und kostümierter als der andere, aber im Mittelpunkt war stets sie, der größte Dickkopf der Welt und rot dazu."

Schreibt Willi Winkler in der SZ. "Sie war weder Mädchentyp noch Vamp, sondern eine der Königinnen des klassischen Hollywood", betont dagegen Marion Löhndorf in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG und erinnert mit einem Zitat daran, dass Maureen O’Hara eine gläubige Katholikin war:

"Wie kann man ein so wunderbares Leben gehabt haben wie ich, wenn da kein Gott Regie führte?"

Vermutlich konnte die Hollywood-Schauspielerin diesen Satz auch deshalb sagen, weil sie nie den deutsch-türkischen Autor Akif Pirinçci kennengelernt hat. Der hatte vor Pegida-Demonstranten gesagt, dass die "KZ’s leider außer Betrieb" seien und sich dann gewundert, dass Buchhändler sein neues Buch "Die große Verschwulung" boykottieren. Das Branchenmagazin "Börsenblatt" hatte allerdings eine schwulenfeindliche Anzeige zu diesem im Manuscriptum Verlag erschienenen Buch veröffentlicht und wurde dafür stark kritisiert. Das berichtet der TAGESSPIEGEL. Der Chefredakteur des "Börsenblatts" Torsten Casimir habe den Abdruck nun aber als "verkehrt" bezeichnet und sich, auch im Namen seiner Mitarbeiter, von "sexistischen, rassistischen, homophoben oder anderen idiotischen Weltbildern" distanziert. Friedrich Küppersbusch weist in der TAZ auf einen interessanten Zusammenhang hin:

"Pirinçcis Egodurchfall wird weiterhin bei Manuscriptum vertrieben, also beim Verlag des Manufactum-Gründers Thomas Hoof. Da die beiden Unternehmen getrennt agieren, erspart es uns Pirinçci-Traktate mit dem sinnigen Aufkleber ‚Es gibt sie noch, die guten Dinge‘."

 

Chinas Umgang mit den sozialen Netzwerken

Twitter und Facebook zählt die chinesische Führung wohl nicht zu diesen guten Dingen. Denn diese beiden Dienste sind in China gesperrt. Dafür gebe es allerdings einige vergleichbare chinesische soziale Netzwerke. Daran erinnert Felix Lee in der TAZ. Die chinesische Führung versuche nun, über diese sozialen Netzwerke die Meinung des jungen chinesischen Volkes zu beeinflussen.

"Für umgerechnet rund 35 Cent pro Eintrag hat die KP angeblich Zehntausende Blogger angeheuert, die mit regierungsfreundlichen Einträgen und Kommentaren die Debatten in den sozialen Medien beeinflussen sollen", schreibt Lee.

Aber viele dieser Autoren seien schon entlarvt und würden nicht mehr ernst genommen. Die chinesische Führung versuche auch ganz offen, sich positiv in den sozialen Netzwerken darzustellen. Allerdings verständen diese Bürokraten nicht die Sprache der jungen Netzwerk-Autoren. So sei folgender Satz auf Weibo, dem chinesischen Pendant zu Twitter, veröffentlicht worden: "Die Vertiefung der Beziehungen zwischen Großbritannien und China hilft beiden Staaten ebenso wie der Weltgemeinschaft insgesamt." Ein Nutzer habe diesen Eintrag so kommentiert: "mit einem gähnenden Smiley".

Was der Komponist Michel Jarre von Selfies hält

Gähnend langweilig findet Jean Michel Jarre offensichtlich Tagebuch und Selfie. Max Dax hat den französischen Musiker und Komponisten für die WELT interviewt und ihn gefragt, wie er die Begegnungen mit all den bedeutenden Künstlern festhalte, mit denen er zusammenarbeite: "Führen Sie Tagebuch oder machen Sie Selfies?" Die Antwort von Jean Michel Jarre:

"Ich habe mir von jedem meiner Beiträger seine Fingerabdrücke geben lassen. Ich lasse diese Fingerabdrücke jetzt vergrößern auf zwei mal zwei Meter."

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