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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 22.02.2019

Aus den FeuilletonsEinen Oscar für das beste Filmtier

Von Arno Orzessek

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Karl Lagerfeld vor einer Zeichnung seiner Kate Choupette (dpa)
Karl Lagerfeld liebte seine Katze und versorgte sie schon zu Lebzeiten mit einem dicken Konto und eigenen Social-Media-Kanälen. (dpa)

Karl Lagerfelds Katze Choupette ist nicht nur steinreich, sondern auch weltberühmt. Doch wer kennt den "Marlon Brando" unter den Katzen: Kater Towne? Dieses Filmtier soll so begabt sein, dass die "New York Times" fragte: "Werden Tiere bessere Schauspieler?"

In der TAGESZEITUNG gibt es die hübsche Rubrik "Dafür wurde die taz nicht gegründet". Und in selbiger heißt es dieses Mal:"Schon gehört? Choupette ist die nun wohl reichste Katze der Welt. Der verstorbene Designer Karl Lagerfeld hat seiner weißen Birma-Katze nicht nur ein Millionenvermögen hinterlassen, sondern 2013 sogar einen Heiratsantrag gemacht. Wenn Sie sarkastische, verwöhnte und verwitwete Designerkatzen mögen, folgen Sie Choupette Lagerfeld auf Instagram oder Twitter unter @ChoupettesDiary." Empfiehlt die TAZ.

Bevor Sie nun wegen Choupette online und uns als Hörer verloren gehen, liebe Katzenliebhaber, sollten Sie zur Kenntnis nehmen, was die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG unter dem Titel "Gib Pfötchen" diskutiert. Nämlich die Frage: "Braucht es vielleicht ernsthaft eine eigene Oscar-Kategorie für die besten Filmtiere?" Bitte, Sie haben richtig gehört: ‚Filmtiere‘ steht da, nicht ‚Tierfilme‘! Besonderes Augenmerk richtet der SZ-Autor David Steinitz auf den Kater Towne:

Der "Marlon Brando" unter den Katzen

"Ihn kann man seit dieser Woche in der dreifach Oscar-nominierten Tragikomödie ‚Can You Ever Forgive Me?‘ bewundern – und die Regisseurin Marielle Heller beschreibt ihn als den ‚Marlon Brando unter den Katzen‘. Auch die menschliche Hauptdarstellerin des Films, Melissa McCarthy, schließt sich dieser Meinung an. In einer Szene zum Beispiel habe sie Towne zum Tierarzt bringen müssen, weil er laut Drehbuch krank sein sollte. Kaum lief die Kamera, habe er sich dermaßen in seine Rolle eingefühlt, dass er sich zu einem kräftigen Niesen hinreißen ließ. Sogar die New York Times wurde neugierig und widmete dem Thema einen Artikel - überschrieben mit der Frage: ‚Werden Tiere bessere Schauspieler?‘" Soweit die SZ.

Uns selbst würde es übrigens gefallen, wenn hervorragende Film-Tiere Oscars erhalten würden – vorausgesetzt, sie dürften ihren Preis persönlich entgegennehmen und auch eine Dankesrede halten.

Die Privilegien der Oscar-Gewinner

"Hat man als Oscar-Gewinner eigentlich irgendwelche Privilegien?", will die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG wissen. Aber nicht von einer Marlon-Brando-artigen Katze oder so – so weit sind wir ja noch nicht –, sondern von dem Regisseur Jochen Alexander Freydank, der 2013 für den Kurzfilm "Spielzeugland" einen Oscar bekam.

"Alle Gewinner", erklärt Freydank, "bekommen eine Einladung in die Academy. Das größte Privileg ist, dass man abstimmen und an einer Tombola für den Besuch der Verleihung teilnehmen darf. In der Vor-Oscar-Zeit wirst du zu vielen Vorführungen in L.A. und Europa eingeladen. Wenn man vor Ort in L.A. ist, wird man zu einer Menge Veranstaltungen gebeten." Okay, damit hätten wir das auch mal geklärt.

"Die Abweichung von der Norm erstarrt zum Habitus"

Keine Sorge, obwohl die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG per Überschrift fragt: "Sind wir noch exzentrisch oder schon Schafe?", kommen wir heute nicht mehr auf Tiere zurück. Tatsächlich fordert Roman Bucheli, was zu fordern nicht allzu originell ist, nämlich: "Die Welt braucht dringend mehr originelle Köpfe." Bucheli bestreitet nicht, dass sich heutzutage viele um Originalität bemühen, allein:

"Die Abweichung von der Norm erstarrt zum Habitus: ohne Inhalt und auch ohne innere Haltung. Da sind einerseits die gewohnheitsmässigen Exzentriker vom Schlage eines Boris Johnson, die viel Lärm um nichts machen und deren Eigenwilligkeit sich bereits darin erschöpft, gelbe Socken zum Nadelstreifenanzug zu tragen. Anderseits ist der Nonkonformismus zum neuen und auch schon wieder alten Mainstream geworden. Bald macht jeder seine Faxen, die Mittel sind unerschöpflich, vom Tattoo bis zum rosa Tutu."

Sie hören es vielleicht heraus: Der NZZ-Autor Roman Bucheli ist kulturpessimistisch drauf. Er vermisst halt die wahren Exzentriker, wie immer die aussehen mögen. War denn wenigstens Karl Lagerfeld ein Exzentriker? Die Tageszeitung DIE WELT feiert ihn als "Diva unter Dandys". Was die Antwort nicht leichter macht. Falls Sie nun ins Grübeln geraten, nur zu! Wir vermuten nämlich, allein durch scharfes Nachdenken kann man das erwerben, was die TAZ in einer Überschrift feiert: "Sexyness fürs Oberstübchen".

Mehr zum Thema

Verleger Gerhard Steidl über Karl Lagerfeld - Der ewige Perfektionist
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 19.02.2019)

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