Aus den Feuilletons

    Die "Sprachpolizei" in Entenhausen

    04:24 Minuten
    Donald Duck liest in einem Buch, aus dem ihm schwarze Hände entgegenkommen.
    Die "NZZ" ist nicht begeistert von den neuen Donald-Duck-Übersetzungen. © imago / Everett Collection
    Von Klaus Pokatzky · 25.06.2021
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    Nun hat die Frage, was politisch korrekt ist, auch die Comic-Szene erreicht, berichten die Feuilletons. Lucky Luke darf nicht schwul sein und soll nicht rauchen. Bei Donald-Duck-Heften werden die Übersetzungen von Erika Fuchs den modernen Zeiten angepasst.
    "Unsere Gesellschaft ist strukturiert durch männliche Dominanz", sagt Manon Garcia. "Erziehung, Kultur, Literatur und Kino tragen dazu bei, dass die Idee der weiblichen Unterwerfung fortbesteht", meint die französische Philosophin im Interview mit der Tageszeitung DIE WELT.
    "Ich bin für die Quote, anders funktioniert Wandel nicht", verlangt da die Filmregisseurin Maria Schrader für Film und Fernsehen: "Zuerst einigen wir uns auf das Ziel der Gleichberechtigung", sagt sie im Gespräch mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, "und dann braucht es die Schrauben, die das System in eine neue Waage bringen, in dem Frauen gebraucht werden, auch auf dem Regiestuhl."
    Die Machos müssen aber noch reichlich lernen. "Ich möchte die Métro nehmen können, ohne dass man mir die Hand auf den Hintern legt", erzählt Manon Garcia der WELT von ihren Pariser Erfahrungen. "Französische Galanterie bedeutet in erster Linie, zu jederzeit und überall von Männern angegriffen zu werden. Deutsche Frauen dagegen können sich angstfrei nachts durch die Straßen bewegen."

    Kein schwuler Lucky Luke

    Vor allem dann, wenn sie da jemandem wie Ralf König begegnen. "Mein Antrieb ist vor allem, gute Geschichten zu erzählen, die möglichst lustig sind", sagt der Comic-Zeichner. "Weil ich schwul bin, sind es schwule Geschichten." So wie teilweise auch in seinem neuen Band, mit dem er dem legendären Comic- und Western-Helden Lucky Luke zu dessen 75. Geburtstag gratuliert.
    Allerdings wollten die französischen Lizenzgeber nicht, dass ihr Lucky Luke plötzlich auch schwul wird. "Und er sollte nicht rauchen", erzählt Ralf König im Interview mit der WELT. "Wir haben dann in einer Zoom-Schaltung vereinbart, dass Lucky Luke nicht raucht und nicht schwul ist, aber schwule Cowboys vorkommen."
    Es kommt aber noch ganz anderes vor. "In einem Artikel auf einer Comic-Website hatte man sich darüber bereits echauffiert, dass ich den Begriff 'Indianer' verwende. Da hört’s bei mir auf. Dann bin ich halt ein alter weißer Mann. Wenn ich einen Western-Comic zeichne, der Achtzehnhundertsoundso spielt, benutze ich auch das Wort 'Indianer'! 'Da oben beobachten uns zwei 'Native Americans'' funktioniert nicht."

    Erika Fuchs politisch korrekt gemacht

    Was würde man bloß in Entenhausen dazu sagen? "In Entenhausen ist kürzlich die Sprachpolizei durchmarschiert", klärt uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG auf, wie in den neuen Ausgaben klassischer Donald-Duck-Hefte die legendären Übersetzungen von Erika Fuchs politisch korrekt aktualisiert werden.
    "Hier sind 'Wilde' und 'Indianer' genauso ausgemerzt worden wie 'Bleichgesichter' und 'Zwerge'", schreibt Claudia Mäder, "und selbstverständlich dürfen die Enten bei Ausflügen in die Fremde auch nicht mehr mit 'Eingeborenen' in Kontakt kommen, sondern nur noch auf 'Ortskundige' oder 'Anwohner' treffen." Was würde Ralf König dazu wohl sagen? "Das finde ich, gerade wenn es um Humor und Satire geht, fatal!", meint er in seinem WELT-Interview. "Aber so sind die Zeiten. Da muss man durch."
    "Wo ist die Spielerfrau?", fragt der Berliner TAGESSPIEGEL – und wir wissen gar nicht, ob dieses Wort sprachpolitisch zulässig ist. "Die Spielerfrau gibt es nicht mehr, weil es sie nicht mehr geben darf", schreibt Joachim Huber zur Fußball-Europameisterschaft. "Ein Terminus, noch schicklich in den Anfangs-2000er-Jahren, mittlerweile so unpassend wie die Zahnarztgattin in den 60ern. Die Spielerfrau war die Frau eines Spielers, fremddefiniert, fremdbestimmt, Sportreporter sprachen von einer 'Hühnerstange', wenn die Kamera in die Phalanx der Spielerfrauen schaute."
    "Hühnerstange" gehört auch wirklich verboten; da würde Oma Duck zum Knüppel greifen.
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