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Fazit / Archiv | Beitrag vom 06.12.2020

"Astor Place Hairstylists" gerettetGanz New York in einem Keller

Nicolaus Schmidt im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Eingangsbereich des „Astor Place“ in New York. Auf einem Schild steht, dass man unzählige Sprachen spricht. (Nicolaus Schmidt)
Im "Astor Place" spricht man viele Sprachen – und ein bisschen Englisch. (Nicolaus Schmidt)

Im Friseursalon "Astor Place" in Manhattan arbeiten 50 Friseure aus 40 Ländern. Promis wie Keith Haring und Andy Warhol zählten zu den Kunden. "Ein Stück Seele New Yorks" nennt es Fotograf Nicolaus Schmidt. Doch jetzt stand der Laden kurz vor dem Aus.

Zu seiner Hochphase ließen sich Andy Warhol und Keith Haring im Astor Place in New York die Haare schneiden. Damals reichte die Schlange einmal um den Block. Die Friseure standen sogar im legendären "Studio 54" im Scheinwerferlicht und stylten dort die Haare der Disco-Gäste, wie der Fotograf Nicolaus Schmidt berichtet. Er hat einen Bildband über dieses besondere Universum der Friseure zusammengestellt.

Das "Astor Place" ist eine Institution in New York. Legendär nicht nur wegen der vielen Prominenten, die sich dort für wenig Geld die Haare schneiden lassen, sondern auch wegen der Friseure selbst. Mehr als 50 Coiffeure aus aller Welt haben hier vor der Krise gearbeitet, dann kam Corona, dann das Aus und nun die Rettung.

Zwei Frauen, die gerade frisiert werden. Aufnahme aus dem "Astor Place". (Nicolaus Schmidt)Nicolaus Schmidt ist quasi nebenbei eine ethnografische Untersuchung gelungen, wie er sagt. (Nicolaus Schmidt)

"New York hätte wirklich ein Stück Seele verloren", sagt Schmidt. Das "Astor Place" sei ein Ankunftsplatz für viele Migranten, die hier einen Job finden. "Jeder konnte hingehen", so Schmidt. Doch was macht den besonderen Charme dieses Friseursalons aus?

Altare und Installationen

"Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein kleines Kaufhaus. Die gesamte Etage ist voll mit Friseuren. Jeder hat sich so einen Altar gebaut, eine Ecke mit Fotos, mit Installationen. Und die Friseure kommen aus 40 verschiedenen Ländern", sagt Schmidt. 

Individuell eingerichtete Stylingstationen. (Nicolaus Schmidt)Die Stylingstationen im "Astor's Place" gleichen Altaren und Installationen. (Nicolaus Schmidt)

1947 von sizilianischen Einwanderern gegründet, hat das "Astor Place" so manche Frisurenmode mitgemacht. Vom Irokesenschnitt bis zur Discofrisur reichte die Palette. Auch die verschiedenen Stadien der Einwanderung spiegeln sich hier wider. Kamen anfangs vor allem Italiener und andere Europäer, wurde der Salon nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein Ankunftsort für Menschen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken.

Ehemaliger Kunde rettet den Friseursalon

Nach 70 Jahren drohte dem Laden aufgrund der Coronakrise das Aus, doch das konnte noch abgewendet werden. "Einer der Retter ist ein Finanzinvestor mit sehr viel Geld", berichtet Schmidt. "Er ist als 15-Jähriger dorthin gegangen. Er konnte es einfach nicht ertragen, dass sein geliebter 'Astor Place' verschwindet und hat andere Leute gefragt."

Sie kauften zu mehreren die ganze Etage und setzten auch jemanden ein, der nun das Geschäft führt, weil die Gründerfamilie sich zurückzieht, wie Schmidt berichtet. Nun garantierten sie "für ein ganzes Jahr die Gehälter der Friseure".

(ckr)

Der Fotoband "Astor Place. Broadway. New York" von Nicolaus Schmidt ist im Buchhandel vergriffen, allerdings noch über seine Webseite erhältlich.

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