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Breitband | Beitrag vom 22.09.2018

Arabisch digitalDie Hüter der digitalen Zeichen

Ein Beitrag von Mike Herbstreuth

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Auszug aus Apples Emoji-Vorschlag an das Unicode Consortium (Screenshot Unicode.org)
Auszug aus Apples Emoji-Vorschlag an das Unicode Consortium (Screenshot Unicode.org)

Wer legt eigentlich fest, welche Zeichenfolge ein Smiley darstellt oder das arabische Schriftzeichen für Haus? Und welchen Anteil hat der Oman daran? - Eine Geschichte voller Überraschungen.

Wird über das Unicode-Konsortium geschrieben, dreht sich die Geschichte meistens um neue Emojis, die festgelegt wurden. Das Konsortium ist aber für den kompletten Unicode zuständig. Jedem Schriftzeichen wird ein Code, der Unicode, zugewiesen, den ein Computer verstehen und verarbeiten kann. Ohne den Unicode könnte das Schriftzeichen nicht dargestellt werden.

Blickt man auf die Mitglieder dieses Konsortiums, dann wird es spannend. Es gibt elf Hauptmitglieder: Adobe, Apple, Facebook, Google, Huawei, IBM, Microsoft, Netflix, Oracle, SAP, Shopify und das Königreich Oman. Letzteres fällt bei dieser Auflistung komplett aus der Rolle. Aber wie kam es dazu?

Ein Holländer als Mittelsmann

Der Niederländer Thomas Milo – Linguist und Pionier im Bereich Computer-Topographie – ist der Hauptrepräsentant des Oman in dem Konsortium. Ursprünglich wurde er vom Oman beauftragt den Koran zu digitalisieren, so dass er fehlerfrei auf unterschiedlichen Betriebssystem angezeigt werden kann und durchsuchbar ist. Zuvor hatten er und sein Team bereits andere arabische Texte und die kalligraphische Schriftart digitalisiert und sich dadurch einen Namen gemacht.

In einem Treffen mit den Omanis bekam Thomas Milo deren Unmut darüber mit, dass die Kultur und Schrift digital nur unzureichend dargestellt werde. Er wies sie darauf hin, dass eine kleine Gruppe von Entwicklern über den Unicode entscheidet - Entwickler, die keine Araber sind, kein Arabisch sprechen und kein Arabisch schreiben können. Milo sagte: um die digitale Schrift mitgestalten zu können, müssten sich die Omanis selbst in dem Konsortium engagieren. Da es im Oman keinen Experten in dem Bereich gibt, wurde kurzerhand Thomas Milo gefragt, ob nicht er das Land vertreten könne.

Unicode als Kulturerhalt

Für Thomas Milo ist die Mitarbeit im Konsortium essentiell für den Erhalt von Kultur und Zivilisationen. Er fragt sich, warum nicht noch mehr Organisationen, Interessengruppen, Wissenschaftler oder Regierungen Teil dieses Konsortiums werden wollen. "Unsere gesamte Zivilisation, die Kulturen der ganzen Welt, werden auf Computerplattformen übertragen. Und alles, was nicht verständlich oder sichtbar ist für eine kleine Gruppe kompetenter und engagierter Computerspezialisten an der US-Westküste, wird verloren gehen."

Ohne das Engagement des Oman in der Organisation wäre es wohl nie dazu gekommen, dass all die verschiedenen kalligraphischen Schriftzeichen des Koran ihr eigenes Unicode-Zeichen bekommen hätten - was die Darstellung des Koran im Web und den interaktiven Umgang damit sehr schwierig gemacht hätte.

Und natürlich wird in dem Konsortium auch über Emojis abgestimmt. Was Thomas Milo nicht für besonders glücklich hält - weil die Darstellung traditioneller koreanischer Hieroglyphen ganz andere Kompetenzen erfordere als die Einführung von Emojis. "Man sollte einfach ein eigenes Emoji-Konsortium gründen"; sagt er. Auch, weil er lange Diskussionen über den konkreten Hautton eines Emojis für Zeitverschwendung hält. Denn er spricht viel lieber über die korrekte Darstellung der arabischen Kultur.

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