Alina Herbing über die Verfilmung ihres Romans

"Tolle Bilder, perfekte Hauptdarstellerin"

06:12 Minuten
Alina Herbing sitzt in der Berliner Akademie der Künste, vor ihr ein Mikro und Gläser, im Hintergrund eine Fensterfront bei Nacht. Sie trägt einen Pullover in hellen Farben und hat die Haare hochgesteckt, eine Strähne fällt ihr ins Gesicht.
Alina Herbing hat mit "Niemand ist bei den Kälbern" einen etwas anderen Roman vom Landleben geschrieben. Nun spricht sie über die Verfilmung und den Austausch mit der Regisseurin. © imago images / gezett
Alina Herbing im Gespräch mit Joachim Scholl · 19.01.2022
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Die Kritik hat Alina Herbings „Niemand ist bei den Kälbern“ einen Anti-Landlust-Roman genannt. Nun hat Sabrina Sarabi das Buch verfilmt. Das Werk ist gelungen, findet die Autorin. In einer Frage verstand sie sich mit der Regisseurin ohne Worte.
Schon auf der ersten Seite des Romans von Alina Herbing wird ein Rehkitz im Mähdrescher zerhäckselt, die Hauptfigur und Erzählerin Christin findet nur noch ein winziges, abgetrenntes Ohr.
Die Verfilmung durch Sabrina Sarabi ist schon auf dem Filmfest in Locarno gezeigt worden, nun kommt sie in die Kinos – und Alina Herbing ist sehr zufrieden mit der Umsetzung ihrer Vorlage.
Sie habe schon früh Kontakt mit der Regisseurin gehabt, berichtet Herbing. Dann habe sie zwar einmal das Drehbuch gelesen und Sarabi bei ihrer Recherche das eine oder andere erzählt, sich aber sonst zurückgehalten. „Mir war einfach wichtig, dass ich ihr nicht so über die Schulter gucke, weil ich das eher hinderlich finde für einen kreativen Prozess“, sagt Herbing. „Ich wollte einfach Vertrauen schenken und dann sehen, was dabei rauskommt.“

Leben auf dem Land

Hauptfigur und Erzählerin Christin lebt mit Mitte zwanzig zusammen mit ihrem ein Jahr älteren Freund Jan, einem Milchbauern, und dessen Eltern in Schattin in Mecklenburg-Vorpommern; einerseits Provinz, andererseits auch nur gut zehn Kilometer von Lübeck entfernt.
Christine will weg – Hamburg ist ihr Sehnsuchtsort –, schafft es aber nicht. Ein Versuch etwa, mit einem Windkraftingenieur das Dorf zu verlassen, scheitert früh.

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Das tägliche Melken, der ganze Alltag: Beim Lesen wie auch beim Betrachten der Filmbilder stellt sich ein Gefühl der Trostlosigkeit des Dorfes ein. „Ich finde, dass gerade die Bilder in dem Film ganz toll gelungen sind und ich mir viele Sachen so oder so ähnlich vorgestellt habe“, sagt Herbing nun zur Arbeit von Sabrina Sarabi.

Einmütige Wahl Saskia Rosendahls

In der Vorlage – wie im Film – geht es auch um Sprachlosigkeit. „Das ist ein Punkt, den ich spannend finde", erklärt die Romanautorin. "Wie man einen Roman, der hauptsächlich aus Sprache besteht, gleichzeitig aber auch Sprachlosigkeit behandelt, filmisch umsetzt.“
Schauspielerin Saskia Rosendahl schaut neben dem Sockel eines Windrades in Richtung Kamera. Sie hat die Haare zurückgebunden und trägt ein schwarzes Top.
Saskia Rosendahl spielt die Hauptfigur Christin.© FILMWELT / Weydemann Bros. / Max Preiss
Herbing spricht von einer besonderen Herausforderung: "Ich finde es ziemlich gut gelungen, was auch sehr an der Hauptdarstellerin liegt, dass die mit ihrem Gesicht einfach so viel erzählen kann", schwärmt sie.

In unserer Sendung Vollbild hat Patrick Wellinski mit Regisseurin Sabrina Sarabi über ihren Film gesprochen. Sie sehe in Christin eine Frau mit 24 in der Midlife-Krise, in die Städter mit Mitte dreißig kommen, sagt die 39-jährige Sarabi. Die Regisseurin berichtet von ihrer Recherche in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg und der Zusammenarbeit mit Alina Herbing.

Sie habe Saskia Rosendahl schon vorher in einem Film von Sarabi gesehen, sagt Herbing: „Ich hab' mir gedacht, die wäre so perfekt." Dann sei sie freudig überrascht gewesen, dass die Produktion Rosendahl sowieso schon gefragt und vorgesehen hatte für die Rolle der Christin. "Für mich ist es genau die richtige Schauspielerin.“
(mfu)
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