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Tonart | Beitrag vom 18.05.2020

Album "Starz" von Yung LeanTraurigkeit als Kunstform

Christoph Möller im Gespräch mit Oliver Schwesig

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Rapper Yung Lean auf dem Agenda Festival 2018 in Long Beach, California.  (Getty/Scott Dudelson)
Entfremdung ist auch auf dem neuen Album "Starz" das Leitthema von Yung Lean, sagt Musikkritiker Christoph Möller. (Getty/Scott Dudelson)

Cloud Rap ist langsamer Hip-Hop und ziemlich depressiv. Hauptvertreter ist der schwedische Musiker Yung Lean, der seine Traurigkeit auch als Mode verkauft. Auf seinem neuen Album "Starz" taucht er wieder in seine leere Gefühlswelt ein.

Der schwedische Rapper Yung Lean sei eine Wunschvorstellung des Internets, die real wurde. Das schrieb die "New York Times" 2014 über den damals 17-jährigen Musiker. Yung Lean war über Nacht zum Star des Cloud Rap geworden, einer langsamen, depressiven Form des Hip-Hops, die vor allem im Internet viele Fans gefunden hat.

Der Song "Ginseng Strip 2002" von Yung Lean aus dem Jahr 2013 ist so etwas wie die inoffizielle Hymne von Cloud Rap. Yung Lean gilt als besonders trauriger Vertreter des Genres, sein eigenes Label hieß lange Zeit "Sad Boys Entertainment".

Entfremdung sei auch auf dem neuen Album "Starz" das Leitthema von Yung Lean, sagt Musikkritiker Christoph Möller. Die Inszenierung als trauriger junger Mann sei zur Marke des schwedischen Musikers geworden.

Avantgarde in Kunst und Mode

Entsprechend mache Yung Lean nicht nur Musik, sondern betreibt unter dem Namen "Sad Boys" auch ein Modelabel. Markenzeichen: ein trauriges weißes Emoji auf schwarzem Grund. Auch das sei Teil der Kunstform, für die der Cloud-Rapper steht.

Ebenso würden Drogen oft als "cooles Mode-Accessoire" verharmlost. Von Yung Lean wisse man, dass er selbst abhängig war, von Kokain und dem Angsthemmer Xanax, sagt Möller. Das neue Album "Starz" will Yung Lean aber nüchtern aufgenommen haben.

Als "Musik gewordene Orientierungslosigkeit" beschreibt Möller den Sound, dargebracht von einem Pop-Nihilisten und einer traurigen, jungen Person. Erstaunlich sei, dass "diese ursprünglich meme-hafte, postmoderne, ironische Ästhetik von Yung Lean" mittlerweile Avantgarde in Kunst und Mode geworden sei.

(mkn)

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