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Lesart / Archiv | Beitrag vom 07.01.2017

Rechte Vordenker im Verlag Antaios Von "Flüchtilanten" und "Abstammungsdeutschen"

Florian Felix Weyh im Gespräch mit Maike Albath

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Der rechte Verleger Götz Kubitschek, aufgenommen in seinem Arbeitszimmer in Schnellroda (picture alliance / dpa / Georg Ismar)
Götz Kubitschek, Inhaber des rechten Verlag Antaios (picture alliance / dpa / Georg Ismar)

Deutschtümelei, Fremdenhass, warme Worte für rechtsradikale "Kameradschaften": Der Verlag Antaios in Sachsen-Anhalt gibt Schriften von Anhängern der "Neuen Rechten" heraus. Sollte man die Pamphlete lesen? Unser Kritiker meint ja. Das entlarve die Autoren und entmystifiziere ihre Publikationen.

Sich und seine Mitstreiter sieht er in verstreuten "Ein-Mann-Kasernen" am Werk, "deren Tore aus Mangel an Versöhnung mit den gegenwärtigen Verhältnissen geschlossen wurden". Geschlossene Tore verhindern Kommunikation, aber um die geht es der "Neuen Rechten" auch nicht. Im Gegenteil: "Zuspitzung der Begriffe, Kennzeichnung der Gegner" ist Teil des "metapolitischen" Programms einer national-volksorientierten Politik. 

Fairerweise muss man sagen, dass etliche dieser Gegner (in der Mitte wie auf der Linken) den Dialog ebenfalls verweigern. Eine demonstrative Unkenntnisnahme rechtsintellektueller Publizistik gehört zu dieser unproduktiven Haltung. Sie vergrößert allerdings den Mythos des Kleinverlags auf paradoxe Weise: Ungelesen haben die Bücher größeren Einfluss als gelesen, weil man ihnen eine Wirkungsmacht zuraunt, die sie kaum besitzen.

Was man gerade noch sagen darf

Was Götz Kubitschek für so wichtig hält, dass er es als Textauslese aus 16 Jahren in einem Buch bündelt, verrät viel über eine verquer rückwärtsgeträumte Gedankenwelt aus den urkonservativen Begriffen des Ungefähren: Herkunft, Volk, Gestimmtheit, Schicksal. Das "Volk", die allumfassende Klammer dieses Denkens, verkörpert dabei eine imaginierte Reinheit, als gäbe es in einem abstammungsdeutschen Deutschland dann keine Verbrechen mehr und Manna fiele vom Himmel: Sind die Fremden erst weg, wird alles gut! 

Zumindest in diesem Band ist keine Nazi-Prosa versammelt, sondern misst aus, was ein bekennender Reaktionär, Verfechter einer konservativen Revolution, gerade noch sagen darf – ohne damit eine Verfassungsschutzakte zu füllen. 

Revolution und "Verhausschweinung"

Für rechtsradikale "Kameradschaften" auf dem Lande hat er warme Worte übrig und glorifiziert sie in Ernst-Jünger-Manier als "so schillernd wie die Freikorps der ersten Weimarer Zeit". Denn zur "Balance zwischen permanenter Revolution und Verhausschweinung" braucht es ja den Typus des rechten, gewaltbereiten Anarchisten. "Die Spurbreite des schmalen Grats reicht vom konservativen an der einen bis zum revolutionären Ton an der anderen Kante, der Grundton vibriert zwischen Vergewisserung und Attacke." 

Die Lektüre von Kubitscheks Schriften sei durchaus angeraten. Den denkenden Leser kontaminiert sie nicht, sondern lässt ihn eher den Kopf schütteln, worauf sich intellektuelle Gaben so verausgaben können, aufs "Deutsche in seiner Eigenart". Fast schon wieder rührend im digitalen Zeitalter. 

Götz Kubitschek: Die Spurbreite des schmalen Grates
Verlag Antaios, Steigra 2016
288 Seiten, 19 Euro

Furchtbar deutsch wirkt indes die zweite gelesene Antaios-Schrift. Sie stammt vom überassimilierten Akif Pirinçci, der in einem schundlichen und schandbaren Pulp-Faction-Machwerk namens "Umvolkung" zeigt, dass deutsch sein heißt, politische Probleme mit größtmöglichem Hass anzugehen.

"Beklopptenregierung" und "links versiffte Presse"

Es ist ein wie unter LSD geschriebenes, wild delirierendes Anti-Flüchtlings-Pamphlet, des­sen Signalworten von den "Flüchtilanten" über die "links versiffte Presse", unsere "Beklopptenregierung", den "asylindustrielle Komplex" bis hin zu "wirtschaftlich Überflüssigen mit Islam-Chip im Kopf" keine Schmähung auslässt und damit jeglichen Diskursraum verlässt. Weder komisch, noch in irgendeiner Weise argumentierend, dient es allein dazu, die politische Betriebstemperatur anzuheizen. 

So schöngeistig Kubitschek als Autor daherzukommen versucht – als Verleger liefert er geistige Brandsätze aus. Und an ihren Taten sollt ihr sie erkennen.

Akif Pirinçci: Umvolkung
Verlag Antaios, Steigra 2016
160 Seiten, 14 Euro

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