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Lesart | Beitrag vom 17.02.2018

Jonathan McMillan: "Das Ende der Banken"Ist eine Welt ohne Banken möglich?

Von Ursula Weidenfeld

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Das Cover von Jonathan McMillans Buch "Das Ende der Banken", im Hintergrund sind Hände zu sehen, die Münzen auf den Boden werfen. (campus / imago stock&people)
Die Autoren machen einen radikalen Vorschlag: Schafft das Bargeld ab, verbietet den Banken das Geldvermehren. (campus / imago stock&people)

Banken sollen verboten, Bargeld abgeschafft werden und die Bürger kostenlose Finanzspritzen bekommen. Das klingt erst einmal ziemlich utopisch. Doch tatsächlich werden in "Das Ende der Banken" interessante Ideen für eine Zukunft ohne Geldinstitute entwickelt.

Geht die Zeit der Banken zu Ende? Davor fürchtet sich die Kreditwirtschaft. Sie weiß einfach nicht, wie die Digitalisierung den Finanzsektor verändern wird. Jonathan MacMillan dagegen sehnt ein solches Szenario herbei. Das Banking sei die Quelle aller Instabilität, deshalb müsse es verboten werden, argumentiert MacMillan in dem Buch "Das Ende der Banken. Warum wir sie nicht brauchen".

Der digitale Hochgeschwindigkeitsdatenverkehr habe eine enorme Aufblähung des Finanzsektors ermöglicht, die Stabilität der Weltwirtschaft sei dadurch heute schlimmer bedroht als jemals zuvor. Andererseits aber bringe die Digitalisierung auch die Lösung: Man könne heute die Wirtschaft mit Geld versorgen, ohne sich einem zügellosen Finanzsektor auszuliefern.

Schafft das Bargeld und die Banken ab

Jonathan McMillan – das ist ein Pseudonym zweier Autoren, die aus dem Journalismus und dem Investmentbanking kommen – entwirft dafür ein originelles Tableau. Man müsse den Banken durch eine Veränderung der Bilanzierungsregeln verbieten, Geld zu schöpfen.

Neues Geld entsteht nämlich heute immer dann, wenn Kredite vergeben werden, dafür aber nicht im selben Umfang Eigenkapital hinterlegt werden muss. Die Digitalisierung habe die Möglichkeiten hierfür potenziert. Die Schattenbanken würden heute beispielsweise völlig unkontrolliert Geld schöpfen.

Deshalb machen die Autoren einen radikalen Vorschlag: Schafft das Bargeld ab, verbietet den Banken das Geldvermehren. Bargeld brauche ohnehin kein Mensch mehr, und digitales Geld sei leichter kontrollier- und steuerbar. Das Kerngeschäft der Banken könne heute leicht von Internetplattformen, Fintechs und Netzwerken übernommen werden. Die Versorgung der Wirtschaft und der Konsumenten mit Geld würde nicht leiden, wenn es keine Banken mehr gebe, argumentiert MacMillan.

Kostenlose Geldspritzen für alle

Wenn aber die Banken kein Geld mehr schöpfen dürfen, muss es jemand anders tun. Geschaffen werden könnte eine neue Zentralbank. Die würde durch eine Liquiditätsabgabe Anreize schaffen, Geld auszugeben, zu investieren oder zu verleihen. Auf der anderen Seite soll sie den Menschen ein Grundeinkommen auszahlen, und so für immer genügend Geldnachschub sorgen.

Der Vorschlag hat nichts mit den sozialen Vorstellungen eines bedingungslosen Grundeinkommens zu tun. Es geht nur darum, immer wieder neues Geld in die Volkswirtschaft zu pumpen. Die Idee ähnelt eher dem berühmten Helikoptergeld, das im Zusammenhang mit der Finanzkrise immer wieder diskutiert wurde. Damals ging es darum, schlimmstenfalls über Direktauszahlungen der Zentralbanken an die Bürger eine Deflation zu verhindern. Bei MacMillan würde die Zentralbank damit den Geldfluss insgesamt steuern und in Gang halten.

Ideen für eine Zukunft ohne Banken

McMillan entwickelt interessante Ideen für eine Zukunft ohne Banken. Das Buch richtet sich an Fachleute und aufgeklärte Laien. Die beiden ersten Teile enthalten allerdings vor allem Volkshochschulwissen über Geld und Kredit in Geschichte und Gegenwart. Die adressierten Fachleute dürfte hier das große Gähnen befallen.

Im dritten Teil des Buchs dagegen findet man sich tatsächlich in einer spannenden Debatte wieder, in der Fachleute, Finanzpolitiker und Laien viel lernen können – auch wenn sie am Ende wahrscheinlich zu dem Schluss kommen, dass der Vorschlag wohl keine Chancen auf Realisierung hat.

Dazu bleiben zu viele Fragen offen: Wie könnte eine Umstellung aussehen? Welche Übergangsszenarien gibt es? Wie funktioniert der Vorschlag in einem heterogenen Wirtschaftsraum? Können die Zentralbanken einer solchen Aufgabe gerecht werden? Was kostet das?

Warum aber publizieren die Autoren ihre Vorschläge unter einem Pseudonym? Halten sie ihre eigenen Thesen für derart umstürzend? Bisher zittert die Bankenwelt noch nicht – obwohl das Buch in englischer Sprache bereits 2015 erschien.

Jonathan McMillan: "Das Ende der Banken. Warum wir sie nicht brauchen"
Campus Verlag, 271 Seiten, 26,00 Euro

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