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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.04.2017

Alkoholismus Spurensuche im Leben des verlorenen Vaters

Dominik Schottner im Gespräch mit Joachim Scholl

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Der Autor Domik Schottner (Deutschlandradio / M. Hucht)
Der Autor Dominik Schottner hat der Auseinandersetzung mit dem Tod seines Vaters nun ein Buch gewidmet. Sein Radiofeature "Danke. Ciao!" wurde 2016 mit dem deutschen Radiopreis ausgezeichnet. (Deutschlandradio / M. Hucht)

Alkohol ist das Schmiermittel unserer Gesellschaft, sagt der Journalist Dominik Schottner. In seinem Buch "Dunkelblau" geht der preisgekrönte Radiojournalist dem Tod seines Vaters nach, der als Alkoholiker starb.

Sein eigener Vater war Alkoholiker. Über viele Jahre hat die Familie weggeschaut und hilflos miterleben müssen, wie sich ein Mensch immer tiefer ins Verderben säuft. Nach dem Tod des Vaters ging der Sohn, der freie Journalist Dominik Schottner, dem Verhängnis nach, forschte im Nachlass, sprach mit Freunden, Kollegen und Verwandten.  

Preis für die beste Radio-Reportage

Für die Spurensuche im Leben seines Vaters und die daraus entstandene Radio-Reportage "Danke. Ciao!" bekam Schottner, der als Autor und Moderator für das Deutschlandradio arbeitet, in vergangenen Herbst den Deutschen Radiopreis. Nun ist sein Buch "Dunkelblau-  Wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor" erschienen, in dem er die Suche nach den Gründen für die Alkoholsucht seines Vaters noch einmal vertieft. "Das Buch hat viel mehr Platz als so ein Radiostück", sagt Schottner. In dem Buch kämen nun nicht nur seine Mutter, Stiefmutter, sein Vater und er als Sohn zu Wort, sondern auch noch Freunde, Verwandte und Kollegen. "Ich wollte gucken, ob es einen Punkt gibt, an dem mein Vater eben nicht mehr nach oben gegangen ist auf den Berg, sondern ab dem es eben runter ging." Es habe ihn interessiert, wo dies wurzelte und ob es in der Kindheit vielleicht einen Auslöser gab.

Recht auf Rausch

Schottner nennt den Alkohol in seinem Buch "Schmiermittel der Gesellschaft". Der Umgang damit sei über Jahrzehnte einstudiert worden. "Ich will jetzt auch nicht den Alkohol rundheraus verteufeln", sagt der Autor. "Das Recht auf Rausch, das soll jeder weiter haben, das will ich niemandem absprechen." Wichtig sei aber, mehr aufeinander acht zu geben und den Mut zu haben, jemanden auf ein Alkoholproblem anzusprechen.

Dominik Schottner: "Dunkelblau. Wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor"
Piper-Verlag, 15 Euro.

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