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Kompressor | Beitrag vom 22.09.2021

Zum Tod von Richard H. KirkEr wollte keine Pophits schreiben

Mark Reeder im Gespräch mit Massimo Maio

Richard H. Kirk bei einem Konzert seiner Band Cabaret Voltaire in Berlin. (imago / Votos-Roland Owsnitzki)
Der britische Musiker Richard H. Kirk, hier bei einem Konzert 2014 in Berlin, sei nicht an Charterfolgen interessiert gewesen, sagt Mark Reeder. (imago / Votos-Roland Owsnitzki)

Presslufthammer, Nachrichtenschnipsel, Gitarrenkrach: Mit der Band Cabaret Voltaire erforschte Richard H. Kirk, wie aus lärmenden Klängen Musik werden kann. Damit beeinflusste er auch Superstars wie Depeche Mode. Nun ist Kirk mit 65 Jahren gestorben.

Wo hört Popmusik auf - und wo beginnt Geräuschkunst? Diese Grenze erkundete der Richard H. Kirk mit seiner Band Cabaret Voltaire: Die britischen Musiker gelten als Pioniere des Industrial-Pop und als Dadaisten unter den New-Wave-Stars. An diesem Dienstag ist Bandgründer Kirk nun im Alter von 65 Jahren gestorben. 

"Richard wollte keine Pophits schreiben. Er war nicht interessiert an Charterfolgen oder sowas", sagt der Musiker und Filmemacher Mark Reeder, ein langjähriger Freund von Kirk.

Dadaismus, Krach und Provokation

"Es war ein totales Chaos", erinnert sich Reeder an das erste Konzert, das er von Cabaret Voltaire sah. Es sei kein konventioneller Gig gewesen, sondern dadaistisch und einfach Krach. "Aber es war interessant, denn es war nicht wie eine herkömmliche Punkband."

Bereits Mitte der 70er-Jahre arbeiteten Cabaret Voltaire mit Presslufthammer-Sounds. "Richard war selber sehr ruhig und souverän", sagt Reeder. "Aber er mochte diese Krachsounds." Auch an der Gitarre sei es ihm nicht um schöne Akkorde, sondern um Krach gegangen.

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Kirk sei musikalisch von Roxy Music beeindruckt gewesen, erzählt Reeder. Als Brian Eno und Snatch auf einer Platte Nachrichtenschnipsel in ihre Musik einarbeiteten, habe Kirk sich gefragt: "Wie weit kann das gehen? Wie viel können die Leute im Saal aushalten?" Und dann habe Kirk es auf die Spitze getrieben. Das sei für ihn eine musikalische Idee gewesen, aber "auch eine große Portion Provokation".

Heimat Sheffield

Kirks nordenglische Heimatstadt Sheffield war damals geprägt vom Niedergang der Stahlindustrie. In den 70er-Jahren wurden dort viele Stahlwerke geschlossen. "Diese Aggression, diesen Frust hat er in die Musik eingebaut", erklärt Reeder.

Später arbeitete Kirk auch als DJ und machte vor allem elektronische Musik. Cabaret Voltaire wurden seitdem immer wieder von Musikern als Vorbild genannt, so betonten beispielsweise Depeche Mode, wie sehr sie von Kirks Band inspiriert waren. "Ich glaube, dass es für viele ein sehr indirekter Einfluss war", sagt Reeder. Es habe nicht die eine "geile Platte" gegeben, sondern die Musik von Cabaret Voltaire sei sehr experimentell gewesen. "Es war die Antithese von Popmusik." 

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