Zum Tod von Edita Gruberová

    Die slowakische Nachtigall ist verstummt

    05:27 Minuten
    Eine Frau mit roter Perücke im viktorianischen Kostüm singt. Es handelt sich um Edita Gruberová.
    "Ihre Stimme war das Pfund, mit dem sie wuchern konnte", sagt Musikkritiker Jörn Florian Fuchs über Edita Gruberová. © picture-alliance / epa apa / Schlager Roland
    Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Vladimir Balzer · 18.10.2021
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    Die Sopranistin Edita Gruberová ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Ihre einzigartige Stimme habe der Opernsängerin eine große Fangemeinde verschafft, sagt Musikkritiker Jörn Florian Fuchs. Gruberovás makelloser Gesang sei derzeit unerreicht.
    Edita Gruberová hatte viele Beinamen: "Königin der Koloratur", "Hohepriesterin des Belcanto" oder "slowakische Nachtigall". Nun ist die Koloratursopranistin aus Bratislava mit 74 Jahren gestorben.
    "Wir haben niemanden mehr mit einer solchen makellosen Stimme, wo man auch sucht", sagt der Musikkritiker Jörn Florian Fuchs. Ihre Stimme sei nicht austauschbar, mit einer spezifischen Wärme, voller Persönlichkeit und in der Lage, ein Farbenfeuerwerk zu entfesseln.
    Selbst bei Anna Netrebko, die aktuell als größte Stimme gelte, gebe es hin und wieder technische Unschärfen, so Fuchs: "Das gab es bei Gruberová nicht." Auch nicht als Zerbinetta aus "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss. Diese "Koloraturen-Furie" sei eine ihrer größten Partien gewesen.
    Ihre Stimme habe ihr eine riesige Fangemeinde verschafft, sagt Fuchs. "Das war das große Pfund, mit dem sie wuchern konnte." Nicht so ihre Gestaltungsfähigkeit auf der Bühne. "Sie war kein Freund von avancierteren Regiehandschriften."

    Keine Charakterdarstellerin auf der Bühne

    Das habe manchmal zu Reibereien geführt, so Fuchs: "Am liebsten wollte sie sich wenig bewegen, vorne an der Rampe stehen und dieses wunderbare Vokaltheater zelebrieren." Eine Charakterdarstellerin auf der Bühne sei sie nicht gewesen.
    Aber diese Einschränkungen seien sofort vergessen gewesen, wenn Edita Gruberová zu singen begann, sagt der Kritiker: "Sobald die ersten Töne kamen, hat man das alles vergessen, um sich total auf diese wunderbare Stimme zu konzentrieren."
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