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Fazit | Beitrag vom 17.03.2019

Zum Tod von Axel BertramVerschönerung des Alltagslebens

Mark Lehmstedt im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Eine 20-Pfennig-Münze aus der DDR (Axel Bertram)
Diese 20-Pfennig-Münze aus der DDR wurde von Axel Bertram entworfen. (Axel Bertram)

Der bekannteste Gebrauchsgrafiker der DDR, Axel Bertram, ist tot. Jeder hatte von ihm Entworfenes in der Hand, ohne es zu wissen: "Er war praktisch immer da, aber wir kannten seinen Namen nicht", sagt der Verleger Mark Lehmstedt über ihn.

Kurz vor seinem 83. Geburtstag ist Axel Bertram, der bekannteste Gebrauchsgrafiker der DDR, am Samstag in Berlin gestorben. Er gestaltete Bücher und Plakate, er entwarf das Layout für die legendäre Zeitschrift "Sibylle" und die "Wochenpost".

Er gestaltete Gedenkmünzen wie das berühmte 20-Pfennig-Stück aus dem Jahr 1969 und die 5-Mark-Umlaufmünze der DDR. Mark Lehmstedt ist habilitierter Literaturwissenschaftler und hat als Verleger ein Buch über das grafische Gestalten Axel Bertrams herausgebracht.

Leben in der DDR maßgeblich mitgeprägt

Im Deutschlandfunk Kultur erklärt er, Axel Bertram habe "zu den ganz wenigen gehört, die über viele Jahrzehnte hinweg das Leben in der DDR so maßgeblich mitgeprägt haben, wie es durch Schrift, Gestaltung von Druckwerken überhaupt geht". Bertram sei omnipräsent gewesen. Ohne es zu wissen, habe jeder die von ihm designten Münzen und Briefmarken in der Hand gehabt. "Er war praktisch immer da, aber wir kannten seinen Namen nicht."

Uneitles Werk

Bertrams Werk sei ein "uneitles, das sich ganz in den Dienst des Lesers, Betrachters oder des Benutzers stellt", gewesen. Seine Maxime sei die Verschönerung des Alltagslebens gewesen. Bertram habe selbst nie im Vordergrund stehen wollen, berichtet Lehmstedt.

Jede ernsthafte Aufgabe habe ihm Vergnügen bereitet, weil er immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen gewesen sei. Auch das Füllen einer kleinen Briefmarkenfläche, wo das Motiv - also beispielsweise die Ehrung einer bestimmten Person - bereits vorgegeben war, konnte so eine Herausforderung sein, wie Lehmstedt berichtet.

Ins kulturelle Gedächtnis einfließen

Bertram sei dabei wichtig gewesen, dass diese Gebrauchsgegenstände ins kulturelle Gedächtnis der Nutzer einfließen, ohne aufdringlich zu sein. Sein Wirken als Gebrauchsgrafiker sei außergewöhnlich für ganz Deutschland.

Bertram habe eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen beeinflusst – vor allem mit seinem Arbeitsethos: "Geh an die Aufgabe heran, nimm sie ernst, spiel dich nicht in den Vordergrund, lern die Techniken zu beherrschen, bevorzuge keine, sondern sieh zu, wie du die jeweils angemessene Form jeweils angemessen einsetzt."

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