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Fazit | Beitrag vom 30.08.2021

Zum Tod des Komponisten Siegfried MatthusMusik für die große Bühne

Gerhard Müller im Gespräch mit Marietta Schwarz

Der Komponist Siegfried Matthus im Heckentheater des Schlossparks in Rheinsberg.  (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Der Komponist Siegfried Matthus gründete 1990 auch das Musikfestival "Kammeroper Schloss Rheinsberg". (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Der Komponist Siegfried Matthus ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Dieser habe Musik für "den großen Apparat" geschrieben, sagt der Dramaturg Gerhard Müller - und sich um die Vermittlung zeitgenössischer Musik verdient gemacht.

Siegfried Matthus gilt als einer der prägendsten DDR-Komponisten in der späten Nachkriegszeit. Viele seiner Werke kamen vor allem in den 1980er-Jahren in der Dresdner Semperoper zur Uraufführung, aber auch an der Komischen Oper in Berlin unter Harry Kupfer und Götz Friedrich. Jetzt ist Siegfried Matthus im Alter von 87 Jahren gestorben.

Die Kraft der genialen DDR-Regisseure

Matthus habe vor allem für die große Bühne schreiben wollen, sagt Gerhard Müller. Als Dramaturg hat er viele Jahre mit dem Komponisten zusammengearbeitet. Matthus habe Kunst für "den großen Apparat, die großen, wunderbaren Häuser und Orchester, die ganze Kraft der genialen DDR-Regisseure" machen wollen.

Eines seiner schönsten Werke sei die Oper "Judith", so Gerhard Müller. Der Stoff stamme aus der Bibel, behandele den individuellen Terror – und parallel den Terror der RAF. "Ich weiß nicht, ob die Leute das damals so verstanden haben. Aber irgendwie hat man gemerkt, das ist alles aktuell. Das ist nicht biblisch, das ist keine historische Geschichte und erst recht keine religiöse - das ist ein politisches Theaterstück."

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur (imago / fStopImages / Malte Müller) (imago / fStopImages / Malte Müller)

Auch bei der Vermittlung zeitgenössischer Musik habe sich Matthus mit seiner Reihe "Kammermusik im Gespräch" besondere Verdienste erworben. Entgegen den Erwartungen der damaligen Kulturpolitiker habe sich das Forum an der Komischen Oper etabliert.

Trotz der späten Anfangszeit - Samstagabends um 22 Uhr - sei es immer voll gewesen: "Es gab Sticheleien in der Presse gegen diese Sache. Sie wurde als Mitternachtsmesse bezeichnet. Das war als Schimpfwort gemeint - und wurde ein Reklameschild allererster Güte."

Später habe es dann auch an der Staatsoper in Berlin eine weitere, ähnliche Reihe gegeben, avantgardistische Musik sei in das Konzertrepertoire eingeflossen.

(mle)

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