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Tonart | Beitrag vom 09.06.2021

Zum 130. Geburtstag von Cole PorterSeine Songs sind wie eine nie endende Party

Von Goetz Steeger

Cole Porter sitzt am Piano, um ihn herum stehen von links nach rechts Gregory Ratoff, Jack Oakie, Jaye Martin, William Gaxton, Janet Blair und Don Ameche (imago / Everett Collection)
Cole Porter sitzt in den 40er Jahren am Piano. Sein erstes Musical am Broadway hieß 1928 "Paris" und war gleich ein voller Erfolg, (imago / Everett Collection)

„Night & Day“, „What is this thing called Love?“: Viele Cole-Porter-Songs sind zu Jazzstandards und Evergreens geworden. Der Millionärssohn feierte Ende der 20er-Jahre seinen Durchbruch am Broadway. Doch sein sorgenfreies Leben änderte sich jäh.

Songs, die geschmeidig von einer Party in die Nächste überleiten, dargeboten mit einem permanenten Lächeln auf den Lippen, in der Hand ein nie leer werdendes Cocktailglas und eine Zigarette, die nie ausgeht. Die Party der Reichen und Schönen in den Roaring Twenties – Cole Porter gehörte dazu.

Porter ist Sohn einer Millionärsfamilie, dessen Ambitionen in puncto Karriere sich in Grenzen hielten. Aber als Student in Yale und später in Harvard komponierte er schon allseits beliebte Tunes für Campus-Festivitäten oder Fußballteams, viele davon fanden sich später in seinen Musikrevuen wieder.

Irving Berlin fördert ihn

Während des Ersten Weltkrieges landete Cole Porter als freiwilliger Helfer in Paris: Auf einer der rauschenden Nächte in den Pariser Penthouse-Suites traf er seine zukünftige Frau Linda Lee Thomas, ebenfalls äußerst wohlhabend. Beide genossen den Luxus und residierten an der Riviera oder in Venedig.

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Linda akzeptierte seine Homosexualität und lernte, sich mit seinen Affären zu arrangieren. Vor allem aber war sie so überzeugt von seinen Songs, dass sie den Star-Komponisten Irving Berlin extra nach Venedig einlud.

Berlin erkannte Porters Talent auf Anhieb und ermöglichte ihm die erste Broadwayaufführung im Jahr 1928. "Paris" hieß das Musical, vor allem der Song "Let’s do It" schlug ein. Auch Eartha Kitt sang das Lied dann.

Wie auch Irving Berlin schrieb Cole Porter die Texte zu seinen Songs selbst und bekam für deren Poesie viel Respekt. Porter-Biograf Brendan Gill sagte dazu in den 70er-Jahren als Gast in der "Dick Cavett Show", sie seien poetisch und manchmal absichtlich naiv, aber stets mit Finesse.

Glamourös-unbeschwerter Sound

Dasselbe gilt auch natürlich auch für die Musik, mit diesem typischen glamourös-unbeschwerten Sound der Ära. Der Porter-Evergreen "Night And Day" hat diese typischen Broadway-Harmonien. Die Menschen pfiffen Cole Porters Melodien mittlerweile auf den Straßen. 

Die nächste Etappe der Karriere war logischerweise Hollywood, 1935 zogen die Porters dorthin. Kurz darauf fand die Unbeschwertheit allerdings ein jähes Ende: Ein Reitunfall lähmte ihm beide Beine.

Als am Ort des Geschehens Hilfe eintraf, soll er noch im Liegen an ein paar Zeilen für den Song "At Long Last Love" geschrieben haben, unter anderem von Frank Sinatra gesungen.

Größter Erfolg nach Schicksalsschlägen

Die verzweifelte Mühe, den Schein zu wahren, brach spätestens mit dem Tod seiner Frau zusammen. Dennoch schrieb er danach noch seinen größten Erfolg: Bei der Uraufführung von "Kiss Me Kate" im Jahre 1948 gab es 15 Minuten lang Standing Ovations.

Obwohl sein Lebenswille in der darauffolgenden Zeit erloschen war, wurde Cole Porter noch 73 Jahre alt. Am 15. Oktober 1964 starb er.

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