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Stunde 1 Labor | Beitrag vom 17.11.2019

Zukunft des FeuilletonsBröckelt der Olymp?

Jürgen Kaube im Gespräch mit Christine Watty und Thorsten Jantschek

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Blick auf den Berg Parnassus und das antike Orakel von Delphi. (imago images / Panthermedia)
Eine Frage an das Orakel von Delphi: Ist das Feuilleton noch zeitgemäß? (imago images / Panthermedia)

In unserem Kulturpodcast „Lakonisch Elegant“ stellten wir kürzlich die Frage, ob das Feuilleton noch zeitgemäß ist. Im Fokus der Diskussion stand das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ein Gespräch mit "FAZ"-Herausgeber Jürgen Kaube.

Zum ersten Geburtstag unseres Kulturpodcasts "Lakonisch Elegant" schenkten sich die vier Hosts jeweils einen Überraschungsgast für das Gespräch über den Zustand des Feuilletons. Es kamen: Die Zeitungswissenschaftlerin Samira El Ouassil, die Autorin und Kolumnistin Jagoda Marinić, die Journalistin Ebru Taşdemir und der Humorliterat Paul Bokowski.

"Hinter dem Feuilleton geht's weiter!" hat sich "Lakonisch Elegant" auf die Fahnen geschrieben. Aber hinter "Lakonisch Elegant" geht's eben auch weiter, zumindest mit diesem Gespräch mit "FAZ"-Herausgeber Jürgen Kaube.

Gute neue Ideen für das Feuilleton?

Alle vier Gäste unserer Podcast-Party hatten viele Ideen für das Feuilleton der Zukunft – die Redaktionen sollten diverser besetzt sein, die Themenauswahl breiter, die Formen vielfältiger. Der Olymp aus Cordjacken-tragenden Feuilletonisten jedenfalls, so der Tenor, bröckele. Was aber sagt einer zu diesen neuen Ideen, der für das traditionelle Feuilleton steht? Jürgen Kaube, einer der Herausgeber der "FAZ", hat sich mit den Thesen unseres Podcasts beschäftigt.

Der "FAZ"-Journalist Jürgen Kaube (dpa / picture alliance / Arno Burgi)Der "FAZ"-Journalist Jürgen Kaube (dpa / picture alliance / Arno Burgi)

Was ist eigentlich das Feuilleton und welche Rolle spielt Social Media? Übernehmen YouTube, Instagram, Facebook heute Funktionen, die das Feuilleton bislang hatte? Gibt es Gründe von einem Strukturwandel der Öffentlichkeit zu sprechen? Darum geht es in unserem Gespräch. Und um die Frage, ob das traditionelle Feuilleton voller Gatekeeper ist, die keinen Platz machen für neue Perspektiven, neue Themen. Jürgen Kaube sagt:

"Wir haben einfach Spezialisten. Und dieses Spezialistentum muss nicht arrogant oder oberlehrerhaft sein, aber ich glaube, was dann so attackiert wird, mit dem Titel 'Gatekeeper', ist letztlich die Unterstellung von Expertentum."

Männlich und weiß für immer?

Dieses Expertentum ist für Jürgen Kaube die Grundlage für inhaltliche Autorität. Dagegen steht die Machtposition des klassischen Gatekeepers, der über den Zugang zur Öffentlichkeit herrschte. Deshalb sprachen wir mit Jürgen Kaube auch über die Frage, wie sich eine Redaktion im Feuilleton zusammensetzen sollte. Bringen divers aufgestellte Redaktion auch andere Themen? Jürgen Kaube:

"Die Suggestion, das mit Geschlecht, oder sozialer Herkunft damit schon sehr kompakte Einsichten einer Sache einhergehen, das halte ich schon für empirisch falsch. Was überhaupt nichts damit zu hat, wie man einstellt."

Nicht Geschlecht oder Herkunft sind für Kaube Garanten für ein strahlendes Feuilleton, sondern Expertise und Eigenwilligkeit der Feuilletonistinnen und Feuilletonisten. Aber etwas ist für ihn entscheidend, nämlich den Erfahrungshorizont von jungen Autorinnen und Autoren in die Redaktionen zu holen. Diese dürfe man nicht nur in der Schleife freier Mitarbeiterschaft belassen, sondern müsse sie in die Redaktionen integrieren.

Bleibt alles, wie es ist?

Wenn man fragt, wie Perspektiven und Themenauswahl mit der Besetzung der Redaktion zusammenhängen, geht es auch darum, ob 25 Prozent Frauenanteil in einer Redaktion wie dem Feuilleton der "FAZ" genug sind – und am Ende schließlich: Ob möglicherweise einfach alles so bleibt, wie es ist? "Das ist nicht meine feuilletonistische Einstellung, dass man Sachen macht wie immer", so Jürgen Kaube zum Abschluss unseres Gesprächs.

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(Deutschlandfunk Kultur, Lakonisch Elegant, 07.11.2019)

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