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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 19.11.2015

Zukunft der Fernsehwerbung Das Smartphone hört mit

Von Christian Grasse

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Mann mit Smartphone (picture alliance / dpa / Foto: Oliver Berg)
Praktisch für die Werbeindustrie: Smartphone mit einem eingebauten Mikrofon (picture alliance / dpa / Foto: Oliver Berg)

Das Gehör kann hohe Töne nicht wahrnehmen. Computer und Telefone mit eingebauten Mikrofon können Frequenzen von bis zu 20.000 Hertz aber problemlos verarbeiten. "Audio-beacon" heißt die Technologie dafür. Diese Technik macht sich nun die Werbeindustrie zunutze.

Das menschliche Gehör ist ziemlich beschränkt. Wir können ausschließlich Frequenzen zwischen 20 und 20.000 Hertz wahrnehmen.

Töne mit 50 Hertz nehmen wir als ein tiefes Brummen wahr.

Bei hohen Frequenzen von etwa 13.000 Hertz hören wir ein schrilles Fiepen.

Für die meisten Menschen dürfte bei 16.000 oder 17.000 Hertz aber schon Schluss sein. Nur wer ein wirklich gut trainiertes Gehör hat, kann hier noch was wahrnehmen.

Computer und Telefone mit eingebauten Mikrofonen können diese hohen Frequenzen von bis zu 20.000 Hertz jedoch problemlos verarbeiten. "Audio-beacon" heißt die passende Technologie dafür. Mit diesem akustischen Leuchtfeuer können Informationen an Computer übertragen werden, eine Art hoch-frequenter Morse-Code.

Firmen schleusen nicht hörbare Töne in die Werbung ein

Genau diese Technik macht sich nun die Werbeindustrie zu nutze. Marketing-Unternehmen wie Listnr, Sonic Notify oder Silverpush schleusen im Auftrag ihrer Werbekunden nicht hörbare Töne in Online- und TV-Werbung ein, und nehmen heimlich Kontakt zu den Computern und Telefonen der Nutzer und Zuschauer auf.

Der akustische Code - für den Menschen nicht hörbar - wird vom Smartphone oder Tabletcomputer registriert, vorausgesetzt das Gerät ist in Hörweite und angeschaltet. Anschließend startet ein Programm, das einen so genannten Cookie im Webbrowser setzt. Diese Textschnipsel machen Handys, Tablets und Computer im Internet sichtbar und Nutzer damit überwachbar. Werbetreibende können mit der neuen Ultraschall Tracking-Methode nachvollziehen, welche Fernsehwerbung man wann sieht, wann genau Zuschauer umschalten und ob die Werbung erfolgreich ist - z.B. wenn man direkt nach dem Spot das beworbene Produkt mit dem Smartphone online sucht und kauft. Informationen, die der Werbeindustrie bisher unbekannt waren und gerade deshalb goldwert sind.

Cookies deaktivieren und Smartphone-Apps den Zugriff aufs Mikrofon untersagen

Das Perfide: Welche Apps heimlich mithören und das Medien- und Geräte-übergreifende Werbetracking möglich machen, ist bisher unbekannt. Die indische Firma Silverpush, Spezialist für das so genannte Cross-Device-Tracking, habe ihre "Unique Audio Beacon"-Technik derzeit in 67 Apps integriert. 18 Millionen Geräte würden damit überwacht, kritisiert die US-Bürgerrechts Organisation CDT. Silverpush versucht zu beschwichtigen: Die neuartige Tracking-Methode übertrage keinerlei Umgebungsgeräusche.

Audio-Beacons der Werbeindustrie funktionieren wie eine unkontrollierbare Fernbedienung für Handys, Tablets und Computer. Nutzer merken nicht wenn sie ausspioniert werden und ihr Verhalten überwacht wird.

Einzige Schutz-Möglichkeit bisher: Cookies deaktivieren und Smartphone-Apps den Zugriff auf das eingebaute Mikrofon untersagen. Diese spezifischen Privatsphäre-Einstellungen ermöglichen bisher allerdings nur wenige Hersteller. Sicherheitsforscher des Fraunhofer Instituts empfehlen Audio-Analyse-Programme zur Gegenwehr, die hochfrequente Töne herausfiltern und so ein Eindringen ins System verhindern.

Quellen:

Artikel bei arstechnica.com

Artikel im Wallstreet Journal

Silverpush "Unique Audio Beacon"

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