Zivilgesellschaft

Wach und abwehrbereit

07:44 Minuten
Teilnehmende einer Demonstration gegen Querdenker. Eine Frau hält ein Anti-Nazi-Schild hoch.
Die Bereitschaft, sich gegen militante Querdenker zur Wehr zu setzen, sei groß, sagt Paulina Fröhlich vom Think Tank Progressives Zentrum. © picture alliance / dpa / Boris Roessler
Paulina Fröhlich im Gespräch mit Jana Münkel · 13.01.2022
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Immer wieder gibt es Berichte über Gewalt gegen Polizisten und Journalisten bei den Querdenker-Demos. Schaut der Rest der Gesellschaft einfach lethargisch zu? Keineswegs, sagt Forscherin Paulina Fröhlich. Sie finden nur andere Formen des Protests.
In den zurückliegenden Pandemiejahren hatten (und haben) es Bewegungen der Zivilgesellschaft nicht immer leicht, mit ihren Anliegen wie in Vor-Coronazeiten in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Denn jede Großdemo ist nach wie vor ein Gesundheitsrisiko für sich und andere.

Kreative Formen des Protestes

Doch hätten sich gerade dadurch auch kreative Formen des Protestes entwickelt, berichtet Paulina Fröhlich vom Think Tank "Progressives Zentrum": Menschenketten, die mit verknoteten Schals miteinander verbunden sind, statt sich an den Händen zu fassen, oder Protagonistinnen und Protagonisten der "Fridays for Future"-Bewegung, die bunt bemalte Plakate mit ihrem Anliegen aus ganz Deutschland gesammelt und vor dem Bundestag abgelegt hat, statt selbst dort zu stehen.

Sind Coronaleugner-Demos Teil der Zivilgesellschaft?

Parallel sind neue Bewegungen im Zuge der Coronakrise entstanden oder sind stärker präsent als vor der Pandemie, etwa Querdenker und Identitäre. Die neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser warnte jüngst davor, diese neuen, teils in den Rechtsextremismus abdriftenden Gruppierungen und deren „Spaziergänge“ nicht zu unterschätzen.
Doch auch die Coronaleugnerdemos und Querdenkeraufmärsche zählt Fröhlich zu den „zivilgesellschaftlichen Allianzen“, da es sich dabei um „freiwillige Bündnisse von mindestens zwei Akteuren, die sich auf eine bestimmte öffentliche Form der Zusammenarbeit zur Erreichung von Zielen einigen“, handele.
Kritischer werde es aber, wenn eindeutige Gewalt gegen Andersdenkende und menschenverachtende Parolen hinzukämen.

Der Rest der Gesellschaft schaut nicht einfach zu

Doch die Gewalt dieser Demonstrationen nimmt der Rest der Gesellschaft nicht lethargisch hin, ist Fröhlich überzeugt. Sie sieht vielmehr eine „Alarmbereitschaft in der Mehrheitsgesellschaft gegenüber den Protestgänger:innen, eine Abwehrhaltung, gerade wenn extreme Organisatoren am Werk sind, wenn es Gewalttaten gegenüber Sicherheitsbeamten gibt.
Ich würde mir keine Sorgen machen, dass die Deutschen zu Couch-Potatoes werden, denen es egal ist, was mit unserer Demokratie passiert. Wäre es möglich, würden sie rausgehen und demonstrieren. Da es nicht möglich ist, finden sie kreative Formen.“

Paulina Fröhlich, geboren 1991, ist Leiterin des Programmbereichs "Zukunft der Demokratie" der Berliner Denkfabrik "Das Progressive Zentrum". Zuvor war sie als Mitbegründerin und Pressesprecherin bei der Initiative "Kleiner Fünf" tätig, die Menschen darin unterstützt, mithilfe "radikaler Höflichkeit" gegen Rechtspopulismus aktiv zu werden. Fröhlich studierte Geografie und Islamwissenschaften in Münster und Helsinki, gefolgt von einem Wassermanagement-Studium in Köln und Amman. Momentan arbeitet sie an einer Studie zu zivilgesellschaftlichen Allianzen.

(mkn)

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