Zeruya Shalev über ihren Roman "Schicksal"

    "Das Buch forderte viel von mir"

    18:09 Minuten
    Zeruya Shalev mit langen braunen Haaren schaut vor türkisem Hintergrund entschlossen in die Kamera.
    Was bedeutet es in Israel zu leben? Zeruya Shalev setzt sich in ihrem Roman "Schicksal" mit dem Lebensgefühl in einem konfliktreichen Land auseinander. © imago / Leemage
    Zeruya Shalev im Gespräch mit Joachim Scholl · 02.07.2021
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    Seit Ihrem Roman "Liebesleben" ist Zeruya Shalev nicht nur die erfolgreichste Autorin Israels, sondern ein Weltstar. Ihr neuer Roman "Schicksal" setzt sich mit dem emotionalem Druck in einem Land auseinander, das nicht befriedet ist.
    Liebe, Ehe, Familie in einem konfliktbeladenen Land – das sind die großen Themen von Zeruya Shalev aus Israel. Im neuen Buch "Schicksal" ist eine der Heldinnen eine ehemalige Widerstandskämpferin der Organisation "Lechi". Diese gründete sich 1940 und verübte im britischen Mandatsgebiet Anschläge gegen die Besatzung.
    Rachel heißt diese mit über 90 Jahren inzwischen sehr alte Frau. Shalev verknüpft deren "Schicksal" mit dem von Atara, der Tochter des Mannes, mit dem Rachel in dieser früheren Zeit des Terrors verheiratet war.

    Eine harte Frau, radikal und ideologisch

    Der Roman spielt in der Gegenwart und reflektiert die politisch-militärische Situation Israels, die dominante Rolle der Religionen und den emotionalen Druck im Land im historischen Kontext.
    "Das Buch forderte viel mehr von mir, als ich erwartet hatte", sagt die Autorin. "Ich war die ganze Zeit nur am Lernen und hatte emotionale Schwierigkeiten. Wenn ich schreibe, identifiziere ich mich sehr mit meinen Figuren."
    Rachel ist eine harte Frau, radikal und ideologisch. Shalev selbst hingegen bezeichnet sich als "Missionarin der Koexistenz".
    Aus dem überaus frommen Jerusalem ist sie in die Hafenstadt Haifa umgezogen, in der Juden und Araber "ziemlich friedlich zusammenleben", wie die Autorin sagt. Doch sogar in Haifa habe es jüngst offene Auseinandersetzungen gegeben.

    Spaltungen und Wunden

    Hoffnung setzt Zeruya Shalev in die neue israelische Regierung unter Naftali Bennett, einem Acht-Parteien-Bündnis aus rechtskonservativen, moderaten und linken Kräften sowie Ra'am – einer arabischen Partei.
    "Israel ist in den letzten Jahren rassistischer geworden", sagt Shalev und betont, wie groß die Spaltungen sind, die durch die Gesellschaft gehen, und wie tief die Wunden.
    "Das hängt sehr mit der letzten Regierung zusammen und mit allem, was Benjamin Netanjahu hier angerichtet hat", sagt sie. Jetzt gehe es darum, ein neues Zusammenleben wieder zu ermöglichen.
    (huc)

    Das Gespräch übersetzte Anne Birkenhauer.
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