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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.11.2020

ZDF-Film "Das Unwort"Mit Humor gegen Antisemitismus

Devid Striesow im Gespräch mit Stephan Karkowsky

"Das Unwort": Direktor Stege (Devid Striesow) und Hausmeister Eichmann (Florian Martens) sitzen nebeneinander an einem der Schultische. Vor ihnen steht ein Teller mit Leckereien, im Hintergrund sind eine Kreidetafel sowie ein Plakat mit der Aufschrift "Toleranz" zu erkennen. Stege legt beide Hände flach auf den Tisch und schaut entsetzt. Eichmann blickt mürrisch in dieselbe Richtung wie Stege. (ZDF/Conny Klein)
Jede Menge Ambivalenzen: Direktor Stege (Devid Striesow) und Hausmeister Eichmann (Florian Martens) in "Das Unwort" (ZDF). (ZDF/Conny Klein)

Eine Satire über Antisemitismus an deutschen Schulen ausgerechnet am 9. November zu zeigen, ist das nicht problematisch? Keineswegs, findet Devid Striesow, der in „Das Unwort“ einen Schuldirektor spielt. Humor helfe bei solch schwierigen Themen.

An einem Berliner Gymnasium wird ein Schüler von seinen Mitschülern wegen seines jüdischen Glaubens drangsaliert. Er wehrt sich und beißt einem Mitschüler das Ohrläppchen ab, einem anderen bricht er die Nase. Was folgt, ist eine Schulkonferenz, auf der der Konflikt geschlichtet werden soll, bei der dann aber alles noch viel schlimmer wird.

Der Hausmeister heißt Eichmann

Der Film "Das Unwort" ist eine Tragikomödie, bei der Devid Striesow den Direktor des Gymnasiums spielt. Eine Figur mit jeder Menge Ambivalenzen, die einer Lehranstalt vorsteht, die angeblich "rassimusfrei" sein soll. Die Wahrheit sieht dann anders aus.

Und der Hausmeister heißt Eichmann, der aber nichts darüber weiß, dass sein Name historische Assoziationen auslöst.

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Satire und Humor bei einem ernsten Thema, kann das funktionieren? Striesow sagt uneingeschränkt ja: 

"Der Humor ist die einzige Möglichkeit, mit der wir in der Lage sind, über solche schwierigen Themen allgemein hinwegzukommen beziehungsweise Kommunikation aufzubauen. Humor ist die einzige Möglichkeit, die wir haben, wenn uns alles andere versagt bleibt. Humor ist auch der Schrei des Verzweifelten."

"Jude" ist auf deutschen Schulhöfen ein Schimpfwort

Das "Unwort" in dem ZDF-Film ist "Jude". Das Wort werde auch heute noch in Deutschland vor dem Hintergrund von Nationalsozialismus und Holocaust umgangen, sagt Striesow – und es gebe eine große Unsicherheit, wie man damit umgehen solle. Hier könne nur Dialog helfen, meint der Schauspieler. Zugleich sei "Jude" auf deutschen Schulhöfen auch immer noch ein Schimpfwort.

Striesow hat auch selbst Erfahrungen mit Rassismus gemacht, denn seine Frau Ines ist schwarz. Im Alltag sei es in der Vergangenheit immer wieder zu Begegnungen gekommen, die "wirklich sehr unschön waren", berichtet er. Er fühle sich mit seiner Frau in größeren Städten und "multikulturellen Ballungszentren" wohler als anderswo, sagt Striesow: "Je mehr man in die Provinz kommt, desto klarer sind die Ressentiments zu erkennen."

(ahe)

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