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Lesart | Beitrag vom 23.02.2021

Yishai Sarids Roman "Siegerin""Es geht um eine israelische Tragödie"

Yishai Sarid im Gespräch mit Joachim Scholl

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Der israelische Schriftsteller Yishai Sarid (Katarina Ivanisevic)
Der israelische Schriftsteller Yishai Sarid hat selbst sechs Jahre Miltärdienst geleistet. (Katarina Ivanisevic)

Ein kleines Land ohne sichere Grenzen, das ist Israel, das auf eine starke Armee nicht verzichten könne, sagt der Autor Yishai Sarid. In seinem Roman "Siegerin" macht er eine Psychologin zur Hauptfigur, die mit ganzem Einsatz dem Militär dient.

Abigail ist Militär-Psychologin und Therapeutin. Sie behandelt kriegstraumatisierte Soldaten. In ihrer aktiven Zeit als Oberstleutnant bei der Armee hat sie Soldaten darauf vorbereitet, töten zu lernen. Der israelische Schriftsteller Yishai Sarid zeichnet sie in seinem Roman "Siegerin" als eine hochintelligente, empathische Frau, dazu liebende Mutter und zugewandte Freundin, aber zugleich auch eine "eiserne Lady", die beinhart ihr ganzes Können der "Stärke" widmet.

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Ebenjene Abigail weiß, was Töten mit einem Menschen macht, was es in seiner Seele anrichtet. Und genau deshalb ist sie auch so gut darin, die jungen Soldaten, mit denen sie zu tun hat, darauf vorzubereiten. 

"Man muss sagen, dass Psychologie schon eine sehr große Rolle innerhalb der israelischen Armee spielt", sagt der Schriftsteller Yishai Sarid. "Gerade, wenn es darum geht, die Leute zu rekrutieren und sie zu ihrem Einsatzfeld zu führen. Man will zum Bespiel schon herausfinden, ob ein Rekrut geeignet ist, ein Pilot zu sein – oder eher ungeeignet. Kann man ihn als Fußsoldat einsetzen oder hätte er zu viel Angst?"

Auch Linke müssen zur Armee

Mit seinem Roman möchte er eine "israelische Tragödie" - wie er es nennt - in den Fokus rücken.

"Sie besteht darin, dass wir einen Teil unserer Kinder, unserer Söhne und Töchter, in gewisser Weise opfern", sagt Sarid. Auch wenn sie nicht mit dem Leben bezahlten, blieben oft seelische Wunden.

Er selbst sei sechs Jahre bei der Armee gewesen, so Sarid. Sein Vater, ein prominenter israelischer Linker, habe ihn und seine Geschwister durchaus dazu ermuntert, zur Armee zu gehen. Denn das Land könne es sich nicht leisten, auf eine starke und schlagfertige Armee zu verzichten. 

"Eine der Tragödien Israels besteht eben darin, dass auch Linke zur Armee müssen, dass auch Linke innerhalb ihrer Armeezeit töten. Und das ist einfach etwas, das zu Israel leider mit dazugehört", so der Schriftsteller.

Impuls die Hauptfigur zu verteidigen

Bei seinen israelischen Leserinnen und Lesern komme die Figur der Abigail oft nicht gut an. Dann habe er - der Autor - das Bedürfnis, sie zu verteidigen. Denn das Risiko, dass ihre Kinder als Soldaten getötet werden oder töten müssen, sei für israelische Eltern real. Er wünsche sich, dass Israel überhaupt keine Kriege mehr bräuchte.

Yishai Sarid: "Siegerin"
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama
Kein & Aber, Zürich 2021
240 Seiten, 22 Euro

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